IMG_1848Über 900 silberne Königsschilder funkelten am Sonntag morgen in der zunächst noch mit einigen Wolken kämpfenden Sonne. Königsschilder an Ketten stolz getragen auf der Brust der neuen Majestäten der Emsdettener Schützengesellschaften. Jungmännerkönige, Männerkönige – Vogelkönige, Scheiben- oder Sternkönige und Kaiser. Erst am vorausgehenden Wochenende konnte der 1. Vorsitzende der Vereinigten Schützengesellschaften, Rainer Müllmann, unzählige Schützinnen und Schützen, Spielmannszüge und Fahnenabordnungen auf dem Rathausplatz zur Pokalverleihung der Schießfreunde sowie zur Ehrung des Wanderkettensiegers Andre Fischer begrüßen. Zu diesem Zeitpunkt wussten viele der heuer auf Hof Deitmar zu Ehrenden noch nicht, dass sie schon am Nachmittag oder spätestens dann am Montag zu denjenigen gehören, die unter der jeweils heimischen Vogelstange nach hartem Kampf jubelnd die Arme in die Luft strecken werden. Sie alle haben ein schönes Schützenfest hinter sich, bei bestem Wetter und, wie die Polizei berichtete, an einem friedvollen, ohne Zwischenfälle verlaufenem Wochenende. Müllmann ging in seiner Ansprache auf die Anfänge des Königsempfangs ein, 1967 der Erste an dieser Stelle. Seit 1964 hatte es sich der Vorstand der Vereinigten Schützengesellschaften zur Aufgabe gemacht, die jeweils neu ermittelten Schützenkönige aller Gesellschaften während einer Rundfahrt über die Säle und Festzelte zu gratulieren. Ziemlich schnell kam aber dann der Gedanke, sämtliche neuen Majestäten am Hof Deitmar zu vereinigen, bei der Gelegenheit ein Foto für den Heimatbund und das Heimatmuseum zu erstellen. Fortan wurde als Rahmenprogramm um dieses Foto der Königsempfang durch die Stadt Emsdetten und die Vereinigten Schützengesellschaften eingeführt. Im Folgejahr, 1968 fand dann das erste Bundesfest mit Kaiserschießen statt. Erster Stadtkaiser wurde seinerzeit Franz Westers (Hollinger).  Ein Hollinger, Josef Krüler nämlich, war es auch, der neben Ewald Enting von den Dorfbauern im Anschluss an die Begrüßungsrede von Bürgermeister Georg Moenikes, einige humoristische Vorträge hielt und damit die Stimmung merklich lockerte. „Westfälisch bodenständig“ wie Rainer Müllmann feststellte.

An diesem Morgen urlaubsbedingt nicht zugegen war der amtierende, erst vor wenigen Wochen gekürte Stadtkaiser Mike Westkemper, er ließ sich entschuldigen. Begrüßen konnte Müllmann jedoch zahlreiche Vertreter aus Rat und Verwaltung der Stadt Emsdetten, weitere Vertreter aus dem Emsdettener Vereinsleben, Sponsoren, Gönner und Freunde des Emsdettener Schützenwesens. Die Schießfreunde haben an diesem Morgen traditionell wieder die Bewirtung der Gäste vorgenommen und als dann der offizielle Teil in Hof Deitmar beendet war, fand man auf dem Vorplatz bereits die Sonnenschirme aufgespannt (die Sonne hatte  mittlerweile den Kampf mit den Wolken gewonnen) und der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten hatte es sich an einem schattigen Plätzchen gemütlich gemacht um den Schützen das ein oder andere Ständchen zu bringen, – der inoffizielle Teil des Morgens begann: die Fahnenschwenker aus Hembergen zeigten ihre Kunst, die anwesenden Vertreter der Emsdettener Schützengesellschaften brachten ihr Vereinslied zum Besten, bei gekühlten Getränken wurden die vielen Erlebnisse des vergangenen Wochenendes ausgetauscht. Und als dann auch der inoffizielle Teil offiziell beendet war…. da war „Alles Detten“ dann nicht mehr dabei aber schön soll’s gewesen sein….

 

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.