Liska Lanvers-1(ms) Montagnachmittag, 16:30 Uhr in einer Naturheilpraxis an der Marienstraße. Ich rechne damit, dass ich zunächst im Wartezimmer Platz nehem soll, darf aber sofort „durchgehen“, werde bereits erwartet.
„Alles Detten“ ist heute zu Gast bei Liska Lanvers, allerdings nicht bei ihr zuhause sondern in den bereits erwähnten Behandlungsräumen ihrer Mutter. Die 20-jährige Emsdettenerin ist selber nur zu Gast, Semesterferien, studiert derzeit in Bayreuth BWL und wird als zweites Fach Sport dazu nehmen. Als Sportlerin ist Liska den Dettenern auch bekannt, – Aktivposten in der Laufgemeinschaft, Europameisterin im Tretrollerfahren, in Bayreuth hat sie jetzt Rugby für sich entdeckt, spielt da in der Hochschul-Damen-Mannschaft und hat vor kurzem erst das Hochschul-Team der Uni Münster besiegt, – verkündet sie stolz.

Die Zahl „5.895“ ist auf Liska’s Fuß tättowiert – ebenso auch bei ihrer Mutter, was das auf sich hat, dazu später. „Wir hätten uns damals den Kinderwagen sparen können“ berichtet die Naturmedizinerin von der hohen Agilität ihrer Tochter bereits im frühen Kindesalter. Und das hat bis heute nicht nachgelassen. Liska Lanvers hat bereits vier Halb-Marathons gelaufen, hat einen Bungee-Sprung hinter sich und ist auch mit dem Fallschirm aus dem Flieger gehüpft. Selbst als sie sich mal das Schlüsselbein gebrochen hat, will sie zwei Wochen nach der OP schon wieder Skifahren, – „haben meine Eltern aber dann doch nicht erlaubt.“ – Warum das alles? – „Da ist ein innerer Drang, wenn ich etwas sehe, und mir gefällt das, dann muss ich das auch machen!“ etwas Nervenkitzel scheint Bedingung zu sein, – auch als Liska mit einem Schnellboot durch die Klippen jettet. Ihr Abitur hat die hübsche Blonde am AJG in Neuenkirchen gemacht, da in der Big Band Saxophon gespielt, war mit dieser Truppe in Kroatien auf Tour und hat ein halbes Jahr lang in Neuseeland die Schule besucht.

Einmal jedoch ist sie bis an ihre Grenzen gegangen: nach bestandenem Abitur wurde der Kilimandjaro, der höchste Berg Afrikas, in Angriff genommen. Zu viert sind sie gestartet, zwei Begleiter haben unterwegs abgebrochen. Mutter und Tochter Lanvers jedoch haben eisern durchgehalten, die 40° Temperaturunterschied vom Fuß des Berges bis zum Gipfel gemeistert. „Die letzten Kilometer waren schon heftig, nach jedem Schritt eine Pause.“ Liska hatte in dieser Situation auch körperlich mächtig abgebaut, der Luftdruck in dieser extremen Höhe bedeutet für viele das Aus. Sie hatte tatsächlich kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, aufzugeben, was eigentlich so gar nicht ihre Art ist, konnte aber dann zusammen mit ihrer Mutter in 5.895 Meter über dem Meeresspiegel ihren Fuß auf den Gipfel des monumentalsten Naturereignisses des „schwarzen Kontinents“ setzen. Als bleibende Erinnerung wurde diese Zahl auf die Füße der Gipfelstürmer „gemeißelt“.

„Um das zu toppen, kann doch eigentlich nur noch der Mond reizen“, – meine eher flapsige Bemerkung weckt sofort Begehrlichkeiten „Die Erde mal von oben zu sehen, wäre bestimmt auch nicht schlecht…..“ und die Augen funkeln wieder, als wären die Planungen bereits im Gange. „Aber erstmal werde ich mein Studium beenden.“

Nachdem ich mich verabschiedet habe, komme ich ins Grübeln, – was war jetzt überzeugender: Liska’s Beteuerung erst das Studium abzuschließen oder das vorangegangene Funkeln in den Augen……

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.