Googeln ist ja heutzutage eines der wichtigsten Werkzeuge eines Schreibers, vor allem, wenn man über Menschen schreibt, die man vorher noch nicht kannte.

Luca Swieter ist die erste auf dem Ankündigungsflyer für den Poetry Slam in L(D)ichthof von Stroetmanns Fabrik. Und dadurch auch die erste in meinem Googlebrowser. Sie kommt rum, liest man in ihrer Facebooktimeline: Haßfurt, Würzburg, Köln, Münster und am 22.11. hier in Emsdetten.

Luca war eine von fünf Teilnehmern am 2. Poetry Slam im kulturellen Zentrum von Emsdetten. Kommen tut sie aus Aachen. Aus Essen kommt Florian Stein, oder kommt er aus Bochum? Der Moderator der Veranstaltung, Jens Kotalla,  – zu ihm gleich noch etwas mehr – war sich nicht so sicher. Also er kommt aus Essen, so verrät er auf Facebook und er verrät, direkt oben auf seinem Profilheader: 15 Veranstaltungen allein in diesem Monat. Zwei der Teilnehmer beim Wettbewerb fürs Emsdettener Goldenen Weberschiffchen, dem Pokal des Slams, kommen aus dem direkteren Umfeld, aus Rheine, der schon etwas ältere Teilnehmer Achim Leufker und die Newcomerin Paula Bröskamp. Achim schreibt viel auf seiner Facebookseite, nein nicht viel, vielseitiges natürlich über das Slammen, natürlich über den Battle in Emsdetten und , „natürlich“ positives, also über Emsdetten, danke… Paula schreibt auch über den 22.11. , kurz, knapp und vor allem mit dem Hinweis auf den nächsten Slam im Januar. Jann Wattjes schreibt da schon mehr auf seiner Seite, erstaunlicher Weise nix über seinen Auftritt in Emsdetten.

So vielfältig wie die Facebook-Auftritte der Poetry Slammer vom letzten Mittwoch waren auch ihre Beiträge. Bibelfest, wie Jann (er kommt aus Paderborn, da ist es verständlich), farbig, wie Paula (sie spricht darüber das blau und gelb grün ergeben, aber dann nie mehr zu trennen sind), ein Rap übers Brötchen von Luca (frei vorgetragen, Respekt) letzte Worte, kurz vor der Rente von Achim (schön fand ich die, sind sie mir doch  bei ähnlichem Alter vertraut) und Florian, mein Gott redet der schnell und mit viel schauspielerischem Talent und noch mehr thematischer Vielfalt, fein…

Muss man eigentlich erklären, was ein Poetry Slam ist? Eine Veranstaltung für Dichter, also ein Wettstreit, in vorgegebener Zeit einen selbstgeschriebenen Text vortragen und bewerten lassen; naja nicht nur für Dichter, also nicht in der Dachkammer oder dem Elfenbeinturm, sondern öffentlich und für Publikum. Das Publikum  oder eine Jury aus dem Publikum bewertet die Darbietungen, meist mit einem einfachen Punktsystem oder per Akklamation. Die Reihenfolge der Vorträge ist zufällig, meist gibt es zwei Durchgänge und dann das Finale. Ein wirklicher Wettbewerb also, meist ohne Preisgeld, aber mit symbolischer Anerkennung, in Emsdetten dem „Goldenen Weberschiffchen“.

Ohne Master kein Slam, es muss einen geben, der die Veranstaltung leitet, erklärt, regelt. Meist selber ein Slamer, aber auch Moderator, Schiedsrichter, Veranstalter. Jens Kotalla ist ein feiner Moderator für den zweiten Emsdettener Poetry Slam, er trägt selber vor , als Beispiel, zur Einführung, kündigt sich selber an, aber auch die wirklichen Teilnehmer, erklärt die Regeln, er leitet alles und das gut, macht genauso viel Spaß ihm zu zuhören, wie den eigentlichen Protagonisten. Er kann es halt.

Zurück zum Wettbewerb. Es war knapp; als es im ersten Durchgang einen beachtlichen Vorsprung von Luca gab, für ihre Brötchen Hymne, kamen beim zweiten Durchgang Achim und Florian bedenklich nahe. Aber das Finale – nicht von der Jury, sondern vom gesamten Publikum bewertet – war dann doch ziemlich eindeutig: Florian mit autobiographischem wurde ehrenwerter Dritter, Achim mit einem TextMix lobenswerter Zweiter und Luca mit Marmelade zum Brötchen aus dem ersten Vortag verdiente Siegerin.

Man merkt aus den Beschreibungen der Vorträge: man muss sie hören, dabei sein, man kann sie nicht reproduzieren; ist aber kein Problem, der nächste Poetry Slam im Dichthof ist am 24.1. im nächsten Jahr.

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Ich, Jochen Schülpke, bin Kölner. Der einzige Rheinländer unter lauter Westfalen, Emsdettener. Aber genau deshalb schreib ich hier: ich will die kleine Stadt, in die es mich verschlagen hat, kennenlernen. Bin neugierig, schau mich um, frag viel und dann schreib ich es auf.

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