Bürgermeisterfahrt_1Es wird nicht jeder mitgenommen, wenn zwei Fahrzeuge von den Emsdettener Busreisen am Bahnhof stehen, mit der Aufschrift „Bürgermeisterfahrt“ auf den Anzeigentafeln. Man muss schon etwas älter sein, wenn man mit dem Bürgermeister Georg Moenikes und seiner ersten Stellvertreterin Marita Haude eine Stadtrundfahrt genießen darf. Die erste Seniorenfahrt in diesem Jahr fand gestern, am 22.8. statt; fünf weitere werden in den nächsten Tagen folgen. Etwa 120 Senioren waren der Einladung gefolgt, von den Stadtoberhäuptern exklusiv die neuesten Entwicklungen in der Stadtplanung, der Industrie- und Gewerbeentwicklung oder aber Zahlen zu Kindergärten und Flüchtlingsaufnahmen zu erfahren. Ein feiner Rundumblick über die Stadt und ihre Entwicklung.
Aber der Reihe nach: wie gesagt, Start war am Bahnhof, „zum Bahnhof gibt es nichts Neues, der ist ja auch schön so“, berichtete als erstes die stellvertretende Bürgermeisterin. Aber nach wenigen Metern schon kam dann der Hinweis auf die wirklich bemerkenswerten Graffiti an den Treppen in Bahnhofsnähe, eine Initiative eben auch der Stadt. Und so ging es fast atemlos weiter: Informationen über einen möglichen Kreisverkehr an der Hansestr., Bebauungen und Gewerbeansiedlungen rechts und links am Grevener Damm, ein Hinweis auf den neuen Raiffeisen Markt und natürlich auch einer auf die neue Fischbude, obwohl für diesen Fischverkauf ist nicht die Stadt verantwortlich. Vorbei ging es am Stadion, in dem ein neuer Kunstrasenplatz für 500TS € angelegt werden wird, die zur Hälfte die Stadt trägt.
Und so, wie auf diesen ersten 2 Kilometern, ging es weiter: ein komprimierter Überblick über die Entwicklung von Emsdetten im letzten Jahr, unterhaltend vorgetragen.

Vielfältig waren auch die Informationen nachdem die Busse ins Industriegebiet Süd eingebogen waren. Selbst die Senioren, die zum größten Teil alt eingesessene Emsdettener sind, waren erstaunt, wer dort alles Platz gefunden hat; man kommt ja auch nur selten ins Industriegebiet Aber für den ein oder anderen wird das die Zukunft sein, denn mit Leco zieht jetzt die letzte Textilfabrik aus der Innenstadt hinaus. Zu Fuß zur Arbeit – für die Senioren noch Alltag – ist Vergangenheit.

Erwartung auf Kaffee und Kuchen, aber auch ein wenig Wehmut kommt auf, als die Busse sich der ehemaligen CKT – Großküche nähern, dem ersten Ziel der Rundfahrt. Bekanntlich hat die Sander Pflege GmbH die Großküche nach der Insolvenz in der Krankenhausgruppe übernommen und das fehlende Krankenhaus stimmt die Senioren nachdenklich, aber – wie gesagt – in der „Schlemmerkantine“ warten Kaffee und Kuchen. Der Lärmpegel in der Kantine wächst auch, als die 120 ihre Plätze gefunden haben, einige sich wiedererkannten von der Fahrt im letzten Jahr und quer durch die Kantine wurde sich zu gewunken. Frau Rudolph erzählt, dass sie obwohl echte Emsdettenerin sehr erstaunt ist, über die industrielle Entwicklung in ihrer Heimat; über die Fahrt hat sie durch Mundpropaganda erfahren. Auch sie frischt mit ihren Tischnachbarn eifrig Erinnerungen auf. Der Geräuschpegel aber sinkt sofort, als der Bürgermeister an seine Tasse klopft, die Mitfahrer nochmal begrüßt und Herrn Gunnar Sander vorstellt, der mit seiner Pflegedienstleiterin und der Leiterin der Großküche, die Dienstleistungen seines Unternehmens vorstellt. Für Senioren sicherlich ein nützlicher Service zu erfahren, welche Hilfen ihnen von Unternehmen wie der Sander Pflege GmbH angeboten werden, auch wenn man noch einigermaßen selbstständig zu Hause wohnt.

Das nächste Ziel war die Besichtigung der Firma Lohmann, oder – um genau zu bleiben – die Besichtigung der Enviprotect GmbH, eines der Unternehmen der Lohmann Gruppe. Die Geschäftsführerin der Enviprotect, Frau Iris Ann Lohmann,macht eine Führung durch die 2011 gefertigte, hoch moderne Recyclinganlage für in erster Linie Kühlschränke, aber auch andere Elektroabfälle. Wie innovativ diese Anlage ist, belegt der Bürgermeister, der sich an das Interesse des Ministers für Wasser und Umwelt der Vereinigten Arabischen Emirate im Jahre 2014 erinnert. Bemerkenswert ist aber auch, was Frau Lohmann zu berichten weiß: bis auf die giftigen Gase aus dem Kühlkreislauf werden alle Teile der Kühlschränke der Wiederverwertung zugeführt, technisch, aber auch logistisch eine nicht immer einfache Aufgabe.

Die Bürgermeisterfahrt führt in die Stadt zurück: durch den HandwerkerGewerbePark, mit neuesten Ansiedlungen, durch Neubaugebiete, in denen die Kinder an der Planung der Spielplätze beteiligt waren, vorbei an den letzten Containern, in denen noch wenige der ca. 700 Flüchtlinge wohnen, die Emsdetten aufgenommen hat, zum letzten Ziel, der Gaststätte Wältermann.

Der Lärmpegel bei Schnittchen mit Kartoffelsalat ist bemerkenswert niedriger, als am Anfang der Fahrt, 4 Stunden geballte Information fordern ihren Tribut. Der Bürgermeister hat sich schon vor dem Essen verabschiedet, er will noch mal ins Rathaus.

(Quelle: Text/Foto – Jochen Schülpke, Alles Detten)

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Ich, Jochen Schülpke, bin Kölner. Der einzige Rheinländer unter lauter Westfalen, Emsdettener. Aber genau deshalb schreib ich hier: ich will die kleine Stadt, in die es mich verschlagen hat, kennenlernen. Bin neugierig, schau mich um, frag viel und dann schreib ich es auf.