Dass das „goldene Weberschiffchen“ einmal ähnlichen Stellenwert erlangt wie der „Prix Pantheon“, ist wohl wenig wahrscheinlich, klingt aber allemal sympathischer als der „goldene Brennstab“ der jetzt bei gleicher Veranstaltung in Lingen vergeben wird. – Vergeben, wofür? – Poetry Slam!!! Was mal als „Slamsdetten“ angefangen und dann pausiert hat, ist jetzt als „Dichthof im Lichthof“ wieder auferstanden. Zu Beginn erklärt Moderator Jens, nach eigenen Angaben ehemaliger Sozialarbeiter, dann 13 Semester Mathematik erfolgreich abgebrochen um jetzt vermutlich ein Studium für Ägyptologie zu beginnen, den Begriff „Poetry Slam“ und den Ablauf des bevorstehenden Abends, dessen Programm er sicherlich problemlos auch selber hätte bestreiten können.

Fünf junge Männer sitzen im Backstage-Bereich bei Kalt-/Warmgetränken und belegten Brötchen. Etwas Spannung liegt in der Luft, werden diese Wortakrobaten doch schon bald gegeneinander antreten. In zwei Durchgängen haben sie jeder jeweils sechs Minuten um dem Publikum ihre Geschichten zu erzählen, die sieben zuvor ausgewählten, strategisch unter den Anwesenden verteilten Jury-Mitglieder davon zu überzeugen, die Tafel mit der „9“ – besser noch, der „10“ zu ziehen.

Sebastian sinniert virtuos über die Tücken der deutschen Sprache – „Das beste Waschmittel aller Zeiten“ –  bei dieser Aussage sollte man tatsächlich schnell zugreifen, denn „alle Zeiten“ beinhaltet natürlich auch die Zukunft, – d. h. es wird nicht besser….. Yannik moderiert einen Spielenachmittag im Seniorenheim als wäre es ein an Spannung kaum zu überbietendes Sportereignis. Die Rollatoren werden in Stellung gebracht, der Startschuss halt durchs Gebäude, – die schwerhörigen Senioren reagieren erst hektisch als man ihnen auf die Schulter klopft. Eine Mitbewohnerin wirft die Schachfiguren in die Mitte und ruft „Uno“ – hat da wohl etwas verwechselt. Aber auch Nachdenkliches gibt es zu hören, Jophi berichtet in eindrucksvoller Weise  vom G20-Gipfel…  Sven berichtet im ersten Teil von seiner Tante, die ihm, weil auf Wohnungssuche, für einige Tage Unterschlupf gewährt, – auch nach zwei Wochen noch sagt, dass er gerne noch etwas bleiben kann, – gleiche Aussage nach zwei Monaten, zwei Jahren, – mittlerweile sind sie im zehnten Jahr…  Der Fünfte im Bunde der aus dem ganzen Bundesgebiet kommenden Künstler (die weiteste Anreise kam aus München) ist „Zwergriese“ – er ist verliebt, schwebt auf „Wolke 7“, das Pärchen bezieht die erste gemeinsame Wohnung und hier beginnt der Alltag, die Erkenntnis, dass nicht immer alles „Frühlingsdüfte“ sind…

Nach den beiden Vorrunden stehen dann die beiden Finalisten fest, Jophi schildert eindrucksvoll, wie er bei Youtube kurzzeitig „Heldenstatus“ erlangt und von den Teenies angehimmelt wird. Yannik nimmt den gerade vergangenen Wahlkampf auf die Schippe und kann damit bei den rund 80 Personen im Lichthof von Stroetmanns Fabrik punkten, gewinnt das erste „goldene Weberschiffchen“. Eigentlicher Gewinner aber sind die, die sich getraut haben, für diesen neuen Versuch ein Ticket zu kaufen, die wenigen am Mittwoch noch frei gebliebenen Plätze werden bei der zweiten Auflage des „Dichthof im Lichthof“ mit dem Kampf ums „goldene Weberschiffchen“ am 22. November sicherlich auch besetzt sein.

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

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