Es ist fast einen Monat her, da sorgte eine Meldung der Stadt bei dem einen oder anderen Emsdettener für Sorgen: die Bezirksregierung in Arnsberg  – sie ist dafür zuständig in NRW – hat eine Zuweisung von ca. 70 weitere Flüchtlinge nach Emsdetten angekündigt.

In den sozialen Medien wurde diese Meldung aufmerksam diskutiert, natürlich mit manch unsachlichem Kommentar, aber auch mit einigen ernsthaften Fragen. Auch in unserem Umfeld war das Interesse an der Meldung außergewöhnlich (die clicks erreichten eine beachtliche Höhe) und auch Kommentare gab es mehr als sonst. Wir hatten versprochen, Fragen an die Stadt weiter zu leiten und Informationslücken zu schließen. Drei Themen haben sich dabei herauskristallisiert:

  • wie wurden und werden Flüchtlinge in Emsdetten untergebracht;
  • wie wirkt sich der Bedarf der Flüchtlinge auf die bezahlbaren Wohnungen aus;
  • welche Integrationsmaßnahmen wurden und werden durchgeführt.

Natürlich haben auch wir keine Glaskugel und können nicht in die Zukunft schauen, aber wir können berichten, was in Emsdetten seit dem Flüchtlingsboom 2015 geschah, wie die Stadt mit der Herausforderung umgegangen ist und jeder mag dann schließen, was man daraus für die Zukunft erwarten kann.

Im Januar 2016 hatte die Zahl der „Neuen“ mit 704 ihren höchsten Stand in Emsdetten erreicht, das 10fache von dem, was Emsdetten an Zuzügen in den nächsten Wochen erwartet wird: Von den 70 Erwarteten sind seit Ende Juli sind die ersten 30 eingetroffen, 40 weitere werden voraussichtlich bis Ende Oktober noch kommen.

Von den 706, die es vor 20 Monaten werden noch waren, werden 506 noch in Emsdetten betreut, davon sind 191 als asylberechtigt anerkannt, die übrigen 315 erhalten Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz..

Die Unterbringung einer solchen Zahl von neuen Mitbürgern hat in der zweiten Hälfte 2015 einige Anstrengungen verursacht; wie interessierte Dettener sicher wissen, wurden 3 Wohncontaineranlagen aufgestellt, eine Gewerbehalle angemietet und eine Turnhalle für die erste Unterbringung eingerichtet. Die Gewerbehalle musste nicht genutzt werden, sie wird seit längerem wieder gewerblich genutzt, die Sporthalle dient seit  einem ¾ Jahr wieder dem Sport, 2 Containeranlagen wurden bereits abgebaut, die zum Teil noch bis November laufenden Verträge wurden nicht verlängert. Die Notunterbringung läuft also aus.

Auch wurden Wohnungen angemietet, bzw. gekauft; zur Zeit sind es noch 42 Immobilien, die von der Stadt für Flüchtlinge genutzt werden. Darüber hinaus gibt es keine Leerstände, die nicht genutzt werden.

In der Diskussion über die neuen Flüchtlinge stellte sich auch immer die Frage nach längerfristiger Unterbringung und die Auswirkungen auf den Markt an erschwinglichen Wohnungen. Es wird auch von der Stadt erkannt, dass bei erschwinglichem Wohnraum der Bedarf höher ist als das Angebot.. Auf Grundstücken der Stadt werden deshalb zur Zeit 7 Mehrfamilienhäuser gebaut, von denen 2 für anerkannte Asylbewerber gedacht sind, die restlichen, öffentlich geförderten, können von jedem Berechtigten gemietet werden. In der Diskussion über Wohnraum tauchten immer die verschiedenen neuen Wohnungen am Grünring auf: Im März konnte sich jeder Berechtigte für diese 20 Wohnungen der Stadt bewerben. Von den 75 Wohnungen die von der Wohnungsbaugesellschaft Kreis Steinfurt  gebaut werden, sind 51 öffentlich gefördert, also auch für die Inhaber eines Wohnberechtigungsschein gedacht.

Der Bedarf für bezahlbaren Wohnraum ist sicherlich vorhanden, aber er wird durch den Zuzug von Flüchtlingen genauso sicher nicht verschärft.

Neben der ersten, aber auch der langfristigen Unterbringung der Flüchtlinge sind Integrationsmaßnahmen eine sicher langfristige Aufgabe; darüber werden wir in einem weiteren Artikel berichten.

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Ich, Jochen Schülpke, bin Kölner. Der einzige Rheinländer unter lauter Westfalen, Emsdettener. Aber genau deshalb schreib ich hier: ich will die kleine Stadt, in die es mich verschlagen hat, kennenlernen. Bin neugierig, schau mich um, frag viel und dann schreib ich es auf.

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