TV Emsdetten vs. Besiktas IstanbulDie erhofften 1.000 Zuschauer sind bei weitem nicht erreicht worden, wer aber vor der Halle stand musste meinen, die Ränge sind bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzt. Besiktas Istambul hat beim Testspiel gegen den TV Emsdetten in der EMS-Halle seinen Fan-Club aus Hamm-Ahlen mitgebracht. Diese rund 50 in Deutschland lebenden Türken sorgten 60 Minuten nonstop lautstark und mit teils originellen Choreographien für Stimmung pur. Die grün-weißen Fans, die eigentlich dafür bekannt sind, dass die EMS-Hölle bei Heimspielen eine Festung ist, konnten nur noch neidvoll anerkennen.

Auf dem Spielfeld sah es da etwas anders aus. Die Gäste aus der Türkei hatten ziemlich hart begonnen, das Schiedsrichtergespann jedoch wusste, dem körperbetonten Spiel sehr schnell konsequent Einhalt zu gebieten, war mit 2-Minuten-Strafen nicht zimperlich, sodass Besiktas einmal gar nur mit drei Feldspielern agieren durfte.

Emsdettens Trainer Daniel Kubes versuchte derweil, bei eigenem Angriff den Torhüter aus dem Spiel zu nehmen und die Mannschaft mit einem weiteren Offensiven zu stärken, – das ging jedoch gleich zwei Mal mächtig in die Hose und damit war dieser Schachzug dann auch schnell Geschichte. Allerdings eine Variante, die in den kommenden Liga-Spielen wohl öfter zu sehen sein wird, besagt doch eine neue Regel, dass ein Torhüter jederzeit durch einen Feldspieler ersetzt werden kann, ohne dass dieser als „Ersatz-Torwart“ kenntlich gemacht ist. Auch kann das Wiedereinwechseln des regulären Torwartes gegen jeden Feldspieler erfolgen.

Die Emsdettener gerieten also durch diese Experimente in Rückstand, konnten aber sehr schnell wieder ausgleichen und mehrfach auch in Führung gehen. Istambul zeigte sich von der konsequenten Haltung der Schiedsrichter beeindruckt und schaltete in der Härte gleich mehrere Gänge zurück. Ein gerechtes 12:12 zur Halbzeitpause ließ auf ein weiter spannendes Spiel in der zweiten Halbzeit hoffen.

Besiktas, die während ihres Trainingslagers hier in Deutschland auch schon gegen den Bergischen HC gespielt hatten, kamen mit bedingungslosem Siegeswillen wieder aus der Kabine doch der TVE war mindestens ebenbürtig, Krings als souveränder Regisseur, Adams als Vollstrecker, insgesamt eine geschlossene Mannschaftsleistung, die sicherlich in vielen Teilen noch verfeinert werden muss, das 100 %-ige blinde Verständnis muss noch gefunden werden. Spannend dann die Schlußminuten: beim Stand von 24:24 sind nur noch wenige Sekunden zu spielen. Istambul erhält einen 7-Meter zugesprochen, verwandelt, die Uhr zeigt noch 10 Sekunden an, der TVE im Angriff, ein gegnerischer Spieler scheint nervös zu werden, weiß sich nicht anders zu helfen, als auf die anfänglich eigentlich ausgeblendete Härte zurück zu greifen: 7-Meter für den TVE. Die 60 Minuten sind abgelaufen, es bleibt also nur dieser eine Wurf, kein Nachfassen. Eben dieses Nachfassen wäre es gewesen, hätte den erneuten und letztmaligen Ausgleich bedeutet, so bleibt es aber beim 24:25 aus Sicht des TV Emsdetten. Am Ende aber ist das Ergebnis zweitrangig, wichtig ist, dass der in vielen Teilen neu gebildete Kader Spielpraxis bekommt und all das, was während der harten Vorbereitung einstudiert wurde, einmal umsetzen kann.

Handball bei Olympia im Fernsehen ist ja ganz OK – aber live in der EMS-Halle ist doch noch einen Ticken besser. Freuen wir uns auf eine ge…niale Saison 2016/17, an dessen Ende man auf jeden Fall einen einstelligen Tabellenplatz haben möchte…

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.