Ein Zeichen gegen das Vergessen setzten am Sonntagmorgen Vertreter der Stadt und Vereine – anlässlich des Volkstrauertages erinnerte man in einem würdigen Rahmen der Opfer von Gewalt, Krieg und Missachtung.

Bürgermeister Georg Moenikes eröffnete die Trauerfeier im Bürgersaal von Stroetmanns Fabrik und mahnte in seiner Rede an, stets nicht nur die Geschichte im Rückblick zu haben, sondern auch den Blick in die Zukunft zu richten. „Erheben wir unsere Stimme gegen Krieg und Missachtung, geben wir uns dem Hass und der Gewalt nie hin – das sei auch die Botschaft derer, die wir gedenken.“, so Moenikes.

Zwei Jugendliche der Dorfbauern Schützengesellschaft trugen Gedanken zum Totengedenken vor, der Männerchor Emsdetten 1893 und Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule bereicherten die Veranstaltung mit musikalischen Beiträgen. „Miteinander – Füreinander“ stimmte der Männerchor an, die „GSS-Singers“ wagten einen rockigen Song über die Geschichte der Weißen Rose. Zwei Schülerinnen widmeten sich dem Song „Weiße Fahnen“ von Silbermond, deren Inhalt sich um die Situation von Kindersoldaten dreht. Sehr gefühlvoll erklang abschließend das Stück „Una Mattina“ am Flügel – bekannt aus dem Film „Ziemlich beste Freunde“.

In seiner Ansprache erinnerte sich Pfarrer em. Kösters an seine eigene Kindheit, richtete seine Worte in erster Linie an die jüngeren Gäste der Trauerfeier. Als Zeitzeuge berichtete er eindrucksvoll, als damals Achtjähriger, von Angst, dem ständigen Bombenalarm. Misstrauen begleitete ihn in der damaligen Zeit – unwissend, ob man bespitzelt wurde oder nicht. „Das öffentliche Thema war vergiftet.“, so Kösters. Hungern mussten die Menschen im Münsterland damals, die Lebensmittel waren eingeschränkt. Sein erstes Stückchen Schokolade bekam der Priester von einem alliierten Soldaten geschenkt, ebenso eine Apfelsine, erzählte Kösters.

„Jeder Krieg zerreißt Familien. Jeder Krieg ist dreckig.“
Das Schlimmste sei jedoch der Tod gewesen, fuhr Kösters fort. „Meine Schwester starb im Alter von drei Jahren, drei Monate vor Kriegsende meldete sich mein Vater. Er schrieb eine Feldpost. Das sei das letzte Lebenszeichen von ihm gewesen.“, erinnerte sich Kösters. „Alle Tragik dieser Erde beginnt, wenn man dem Menschen seine Würde nimmt!“, mahnt Kösters abschließend. „Lasst uns unsere eigene Identität nicht aufgeben und die der Anderen annehmen.“, rief Pfarrer Kösters zu mehr Toleranz auf.

Die Trauerfeier endete mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal. Begleitet wurde der Schweigemarsch von Stroetmanns Fabrik aus zur Nordwalder Straße durch den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten, der somit den musikalischen Anfangs- und Schlusspunkt der Gedenkfeier setzte.

Das Ehrenmal an der Nordwalder Straße stand im Rahmen der Ehrung der Gefallenen im Zentrum der Kranzniederlegung. Die Namen der Gefallenen, die in das Ehrenmal eingraviert sind, waren mit der Zeit verblasst. Grund ist der weiche Kalkstein, aus dem das Ehrenmal hergestellt wurde. Seine Oberfläche wurde über die Jahre porös und hat an Material verloren, sodass die Buchstaben zum Teil nicht mehr lesbar waren. Fred Meyer, in Emsdetten geboren und an der Friedhofstraße in unmittelbarer Nähe zum Ehrenmal aufgewachsen, hat den Zustand der Schriften zum Anlass genommen, ihre Sanierung zu sponsern. Die Stadt Emsdetten bedankte sich recht herzlich bei ihm für seine Unterstützung, wodurch die Namen der Gefallenen wieder für viele Jahre lesbar gemacht werden konnten.

Zur Geschichte des Ehrenmals
Das Ehrenmal wurde im Jahr 1922 erstellt, nachdem am 19. August 1921 entschieden wurde, dass der Kunstbildhauer Albert Pehle aus Düsseldorf eine Gedenkstätte für die Gefallenen der Kriege erstellen sollte. Der Auftrag wurde am 13. März 1922 erteilt („Betender Krieger am Grabe“). Die Enthüllung fand am 15. Oktober 1922 statt. Die Erstellungskosten betrugen damals 268.000 DM.

Die bronzenen Inschriftentafeln zum Gedenken der Gefallenen aus den Jahren 1864, 1866 und 1870/1871 sind die einzigen noch erhaltenen Teile des alten Kriegerehrenmals, das im Jahr 1913 auf dem Sanduferplatz errichtet wurde. Diese Tafeln wurden in der Nähe des neueren Kriegerehrenmals an der Nordwalder Straße wieder aufgestellt.

Im Jahr 2003 wurde das Ehrenmal restauriert. Die Fugen wurden ausgeschlagen und neu verfugt. Das gesamte Objekt sowie die Findlinge wurden gereinigt und die vier Bronzeplatten neu lackiert. Die Kosten hierfür betrugen 1.450 Euro. Die Schriften, die nun in 2017 erneuert wurden, waren zu dieser Zeit noch gut lesbar.

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…ist gebürtiger Emsdettener und arbeitet hauptberuflich als Dipl.-Sozialpädagoge.

In seiner Freizeit fotografiert er gern, sein Schwerpunkt liegt im Bereich der Eventfotografie. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fotografie in der Zeit der blauen Stunde. Im November 2013 initiierte Shajek das Projekt “Emsdetten fotografiert”, welches ebenfalls auf Facebook zu finden ist. Mit “Alles Detten” verwirklicht er nun ein nächstes Projekt, motiviert und inspiriert durch befreundete Fotografen, die das Projekt “Alles Münster” betreiben.

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