DSC_3721-1Wie gestern zu erfahren war, wird der Betrieb des Krankenhauses nicht wie zunächst geplant zum 01. Juli hin eingestellt, sondern bereits am kommenden Freitag. Begründet wurde dies in einem Schreiben mit einer „Knappheit der Personalressourcen“.

Bereits ab dem heutigen Mittwoch sollen keine Patienten mehr geplant aufgenommen oder durch den Rettungsdienst eingeliefert werden, zum Freitag hin müssen jetzige stationär behandelte Patienten entweder entlassen oder in andere Häuser verlegt werden. Gegen 18h am Freitag schließt dann auch die Chirurgische Ambulanz, der Betrieb des Krankenhauses wird eingestellt.

Und damit ist er da – dieser Tag X, der seit Langem im Raum stand. War das Engagement Aller vergeblich? All die Aktionen, von der Postkarte über die Demo bis hin zum Lichterzug? Sind alle politischen und wirtschaftlichen Signale aus Emsdetten umsonst gewesen? Das unheimliche Beharren der Mitarbeiterschaft, das Zugeständnis und die Verbundenheit der Emsdettener Bürger/-innen und Vereine zum hiesigen Krankenhaus haben Mut gemacht….

Was bleibt, sind viele offene Fragen:

  • Warum lässt sich ein Insolvenzverwalter von einem möglichen Investor so unter Druck setzen, trifft Entscheidungen wider jeder ökonomischen Vernunft?
  • Warum haben die möglichen Investoren außer der absoluten Auflage, eines der drei Häuser bedingungslos zu schließen, kein weiteres Konzept, versuchen mit Falschaussagen Sympathien zu erhaschen?
  • Warum haben die Mitarbeiter während der laufenden Insolvenz mehr Geld durch das Arbeitsamt bekommen, als ihnen vorher gezahlt wurde? (direkte Antwort hierauf: Weil jetzt nicht mehr nach kirchlichem Tarif gezahlt wurde, sondern nach dem staatlichen, nach dem sich übrigens auch AMEOS ausrichten müsste/würde).
  • Warum springt ein Investor, der das Haus mit dem größten Investitionsbedarf übernehmen will, plötzlich ab, weil ihm die Folgekosten zu hoch erscheinen? Wenn doch wirklich Interesse an einer Übernahme besteht, beschäftige ich mich vorher mit der Wirtschaftlichkeit.
  • Warum verhält sich ein Insolvenzverwalter, zu dessen Aufgaben es gehört, ein Unternehmen möglichst zu retten (leider beschäftigen sich diese Büros vornehmlich mit der reinen Insolvenzabwicklung und kassieren dann), derart kontraproduktiv? Durch die gescheiterte Übernahme der Stiftungen (das waren die, die die Schließung Emsdettens zur Bedingung gemacht haben), wäre jetzt alles wieder offen, trotzdem beharrt man weiter darauf, dass das Sahnehäubchen Emsdetten geschlossen wird. – 300 Kündigungen aussprechen, um nur eine Woche später die Hälfte und wieder einige Tage später alle zurücknehmen, zeugt nicht von großer Fachkompetenz.
  • Im Gegensatz zu den kirchlichen Stiftungen hat ein privater Investor mit offenen Karten gespielt, ihm werden jetzt schon wieder Steine in den Weg gelegt. Ein Fortbestehen der Krankenhäuser wird hier nicht nur aufs Spiel gesetzt, sondern mit allen Mitteln versucht zu, verhindern.
  • Hier kann das Bistum Münster noch so viel dementieren, wenn man sich die Zusammensetzung der Gesellschafter, des Gläubigerausschusses ansieht, entsteht ein mehr als fader Beigeschmack. Zu Beginn der „heißen Phase“ hat man den Mitarbeitern (mit bewusst falschen bzw. vorenthaltenen Informationen) die Entscheidung überlassen und sich selbst bibeltreu aus der Verantwortung gezogen („Ich wasche meine Hände in Unschuld!“ – allerdings ist das ein Zitat von Herodes….)

Das erinnert doch alles sehr an das Raubrittertum der mittelalterlichen Kreuzzüge. Deren Ziel war jedoch die Christianisierung des Abendlandes. Dieser „moderne Kreuzzug“ zieht leider eine Vielzahl an Kirchenaustritten nach sich.

Ein Wort an die Verantwortlichen in den entscheidenden Gremien: Fehler macht jeder, davon kann sich keiner freisprechen. Wahre Größe besteht darin, diese Fehler zu erkennen und rechtzeitig gegenzulenken. Wer diese Größe besitzt, der wird Lob und Anerkennung erhalten, alle Anderen haben leider verloren. Hier ist eine Karre ganz tief in den Dreck gefahren worden. Wer glaubt, sich wie Münchhausen am eigenen Schopfe wieder herausziehen zu können, der irrt ganz gewaltig. Gebt den Weg frei für einen Neuanfang! Was sich solange bewährt hat, kann nicht schlecht sein und wird unter neuer Führung mit der Unterstützung der eingespielten und funktionierenden Mitarbeiterschaft weiterhin Bestand haben.

Mit einem geschlossenen Krankenhaus verliert Emsdetten nicht nur eine medizinische Akutversorgung und einen großen Arbeitgeber, sondern auch ein großes Stück Lebensqualität. Emsdetten ist um eine wichtige Institution ärmer. Eines nehmen wir aus der vergangenen Zeit jedoch  mit – in der Not stehen Emsdettener zusammen. Doch, wie geht´s nun weiter? Hat Emsdetten eine Chance, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt weiterhin ein Krankenhaus vorzuhalten? Gibt es einen Plan B in Richtung  einer medizinischen Akutversorgung, die 24h am Tag und an sieben Tagen die Woche geöffnet hat? Fragen über Fragen, die wohl erst im Laufe der Zeit zu beantworten sind.

Was bleibt am Ende übrig? Die Enttäuschung über den Verlust des Krankenhauses, die Sorge um eine gesundheitliche,  medizinische Akutversorgung und der Wunsch, dass sich allen Mitarbeiter/-innen, die ihr Fachwissen und ihr Engagement zu Gunsten der Einrichtung zur Verfügung gestellt haben, eine bessere berufliche Perspektive eröffnet.

Ein Sprichwort sagt, „wo sich eine Tür schließt, geht an anderer Stelle eine andere Tür auf“. Wir suchen sie….

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