IMG_6013(ms) Insgesamt fünf Feuerwehren sind in jedem Jahr bei der „Obergrafschafter Übung“ beteiligt, dazu Rettungssanitäter und weitere Helfer der jeweiligen Ortsverbände des DRK und natürlich die Polizei. Das Szenario am vergangenen Donnerstag: Staubexplosion in einem Sägewerk. In der völlig vernebelten Halle galt es, vermisste Personen aufzuspüren, deren Verletzungsgrad festzustellen und entsprechend zu bergen. Mehrere Mitarbeiter des Sägewerkes haben panisch, fluchtartig das Gebäude verlassen, ein PKW ist frontal in einen Holzstapel gefahren und wurde unter den ins rollen gekommenen Baumstämmen begraben. Ein weiteres Fahrzeug kollidierte mit einem Radlader und überschlug sich. Andere Personen konnten sich zunächst auf Türmen und Traversen in bis zu 15 Metern Höhe in Sicherheit bringen, ein Weiterkommen war da jedoch aussichtslos – Höhenrettung. Ein Dieseltank schlug Leck und im angrenzenden Forst war bereits ein flächendeckender Waldbrand ausgebrochen. Das alles kommt einem Horrorszenario gleich. Die enorme Präsenz an Rettungsfahrzeugen der beteiligten Wehren sorgte, als um Punkt 19 Uhr planmäßig der Alarm ausgelöst wurde, schon für einige Unruhe in der Bad Bentheimer Bevölkerung.

Bereits um 16 Uhr hatten sich die Notfalldarsteller des Emsdettener Jugend-Rot-Kreuzes unter Leitung von Eike Brünen in der dortigen Feuerwache eingefunden. Einsatzbesprechung, die Darsteller wurden für die jeweiligen Unfallsituationen eingeteilt, Art und Grad der Verletzung wurden besprochen. Wer gerade nicht beim Schminken war, fand sich im Einzelgespräch mit der Einsatzleitung wieder. Brünen hat hier jeden einzelnen Mimen mit seiner individuellen Situation vertraut gemacht, die Verletzung erklärt, auf medizinische Hintergründe hingewiesen, Besonderheiten aufgezeigt und auch vermittelt, wie der Gemütszustand sein soll. In der „Maske“ wurden derweil von der blassen Gesichtsfarbe im Schockzustand bis hin zum offenen Knochenbruch täuschend echt die Verletzungen „hergestellt“. Schürf- und Schnittwunden gehörten zur „Grundausstattung“. Gegen 18 Uhr Eintreffen am Einsatzort. Die letzten Vorbereitungen wurden auch hier gerade abgeschlossen, die Unfallfahrzeuge her- (oder besser hin-) gerichtet. Kaum vorstellbar, wie die JRK’ler aus Emsdetten sich noch in diesen Haufen zusammengedrückten Blechs zwängen sollten, geschweige denn, dass man aus diesem zerknittertem Etwas lebend gerettet werden kann. Mit dem Eintreffen der Rettungsfahrzeuge (die beteiligten Wehren boten hier neuestes und modernstes High-Tech-Equipment auf) begannen dann die schauspielerischen Leistungen der „Verletzten“.  Auch hier sahen sich die Rettungskräfte erstaunlich authentisch wirkenden Situationen gegenüber gestellt. Als Beobachter am Rande kam da schon der Gedanke „das ist echt, da muss ich jetzt helfen“. Für den Fall, dass da tatsächlich bei einer solchen Übung mal ein Unfall passiert oder einem „Verletzten“ beispielsweise die eigentlich gespielte Hyperventilation auf den Kreislauf schlägt, gibt es ein Code-Wort, fällt dieses, wird die Übung sofort abgebrochen und es tritt der Ernstfall ein.

Es ist 20 Uhr, mittlerweile befinden sich sämtliche Patienten am Behandlungsplatz oder konnten von da bereits als „geheilt“ wieder entlassen werden. Bevor es zum gemeinsamen Grillen mit allen Beteiligten geht, besprechen die Emsdettener Notfalldarsteller die bei dieser Übung gesammelten Erkenntnisse. In einigen Punkten gibt es deutliche Kritik der erfahrenen Mimen an den ihnen zugeteilten Rettungskräften. Aber genau dafür werden diese Übungen ja veranstaltet, damit dann im Ernstfall doch alles richtig läuft. Gerade Anfänger in der Notfalldarstellung neigen gerne mal dazu, zu übertreiben, die Kunst liegt hier tatsächlich darin, die Situation so realistisch wie nur eben möglich erscheinen zu lassen, so das der Rettende sich im Ernstfall einem ihm bekannten Vorfall gegenüber gestellt sieht und routinemäßig seinen Einsatz durchzieht.

Die Sicherheit der Darsteller stand bei sämtlichen Aktionen im Vordergrund, so wurden z. B. die splitternden Scheiben der Kraftfahrzeuge bereits vorher eingeschlagen und die Personen bspw. beim Einsatz der Rettungsschere mit Decken abgedeckt. Ein jeweiliger ND-Abschnittsleiterr überwacht die Vorgänge und kann im Zweifelsfall einschreiten.

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

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