JPG_7259(ms) Vorab: der noch in der vergangenen Woche vom WDR im Rahmen der „Aktuellen Stunde“ ausgestrahlte Bericht zur Lage des Emsdettener Krankenhauses, in dem die Entscheidung zur Schließung des Marienhospitals durchaus kritisch hinterfragt wurde, ist aus dem Internet herausgenommen worden. Weitere Ausstrahlung gesperrt. Das eigentlich für die gestrige Veranstaltung zugesagte Kamerateam des WDR hat sich nicht eingefunden. Hier wird scheinbar seitens einer offensichtlich einflussreichen Stelle massiv Druck auf einen öffentlich-rechtlichen Sender ausgeübt.

„Das regnerische Wetter kann nur bedeuten, dass Petrus mit seinem Bodenpersonal nicht zufrieden ist“,  so Bürgermeister Georg Moenikes zu Beginn seiner Ausführungen während der gestrigen Kundgebung am Marienhospital. Moenikes ist hier aber auch nur Gastredner, zu seiner dann sachlichen Stellungnahme später.

Schwer zu schätzen war die Menschenmenge, die sich auf den Weg zum Emsdettener Krankenhaus gemacht hat. Vor dem Haupteingang war es proppenvoll, das zog sich durch den Innenhof bis in den Park, im Parkhaus und auf dem Parkdeck waren unzählige friedvolle Demonstranten, die nur durch ihre Anwesenheit kund tun wollten, dass sie sich mit der Entscheidung des Gläubigerausschusses in Sachen Insolvenz der Marienhospital Münsterland GmbH und der CKT-Dienstleistungs GmbH nicht einverstanden erklären. Nach den Erfahrungen der Kundgebungen auf dem Brink im vergangenen Jahr, bei der jeweils rund 3.000 Menschen anwesend waren, dürfte sich heuer die Zahl der Teilnehmer in Richtung 5.000 bewegt haben.

Trotz des bereits angesprochenen schlechten Wetters, drohten um kurz vor 12 Uhr sämtliche Zuwegungen zu verstopfen. Durch alle Altersklassen und Stände war eine breite Emsdettener Bevölkerungsschicht vertreten. Martin Hannemann brachte in aller Deutlichkeit seinen Unmut zum Ausdruck und gab gleichzeitig zu verstehen, dass man den Kampf nicht aufgeben werde. Das hiesige Marienhospital sei nicht nur ein Krankenhaus für Emsdettener, unzählige Patienten aus den umliegenden Städten und Gemeinden, auch Greven und Borghorst, werden hier immer wieder erfolgreich behandelt. Mit Zahlen und Fakten brachte er immer wieder den Beweis, dass die hier getroffene Entscheidung äußerst fragwürdig erscheint. Hannemann bedankte sich an dieser Stelle bei all seinen Mitstreitern in dieser Sache, den Mitarbeitern, dem „Runden Tisch“, und all denen, die an diesem Morgen dem Aufruf gefolgt seien und hier ihre bedingungslose Solidarität zum Ausdruck bringen. Zuvor hatte ihm sein Sohn Nils, der am Sonntag seine Erstkommunion feiert, noch folgenden Satz mit auf den Weg gegeben: „Papa, wenn die wirklich das Krankenhaus schließen, dann geb ich Dir mein Kommuniongeld und wir kaufen das Marienhospital.“

Musikalisch untermalt wurde die ganze Aktion von Walter Zurbrügg, der mit Unterstützung von Lisa und Laura Klähn seinen von ihm umgetexteten Song „Das habt ihr versaut“ vorgestellt hat. Viele der Kundgebungsteilnehmer konnten bereits textsicher mitsingen, kursiert das Lied doch schon seit einigen Tagen im sozialen Netzwerk.

Hannemann, wie auch anschließend Georg Moenikes, wurden immer wieder von lautstarken Beifallsbekundungen unterbrochen. „Wir kämpfen für unser Krankenhaus“ so der Bürgermeister, „wir, das sind die Mitarbeiter des Marienhospitals und der CKT-Dienstleistungs GmbH, das sind die niedergelassenen Ärzte, Rat und Verwaltung und die starke mittelständische Vereinigung, das sind 36.000 Emsdettenerinnen und Emsdettener. Dieser Kampf gefällt nicht allen, nicht den Kirchenoberen in Münster, nicht den Pastören in Steinfurt, nicht den Krankenhausbeschäftigten in Greven und nicht den Politikern in Greven.“ Man versuche selbst von der Kirchenkanzel herab und in der Kirchenzeitung den Emsdettener Widerstand mundtot zu machen. Weiter: „Diese Angebote (Anm. der Redaktion: Franziskus-Stiftung übernimmt Greven und Matthias-Stiftung Borghorst) sind unter die Bedingung gestellt, dass die Einrichtung in Emsdetten ersatzlos geschlossen wird. Der Standort Emsdetten und die hier beschäftigten Mitarbeiter sollen also das Opfer für die beiden anderen Standorte in Greven und Steinfurt-Borghorst sein. …..Gesundheitsexperten haben uns bestätigt, dass das Marienhospital Emsdetten wegen seiner medizinischen Qualitäten, aber auch aufgrund seiner betriebswirtschaftlichen Kennzahlen eine Zukunftsberechtigung hat. …. Die Kirchenoberen versuchen, ihre Krankenhauseinrichtungen in Rheine auf Kosten Emsdettens zu stärken und berufen sich auf die Gesundheitspolitik in Bund und Land.“ Sein Appell an Politik und Kirche: „Machen Sie den Weg für eine eigenständige Emsdettener Lösung frei und legen uns nicht immerfort Steine in den Weg!“ Der Aufruf des Bürgermeisters an den Sachwalter des Insolvenzverwalters und die Gläubiger: „Akzeptieren Sie ein Emsdettener Modell, denn ohne die Zuzstimmung der Emsdettener Mitarbeiterschaft werden Sie das Insolvenzverfahren nicht zu einem guten Abschluss führen können.“ Und zum Abschluss an die Emsdettener: „Stützen Sie uns in unserem Kampf um unser Emsdettener Krankenhaus, um den Erhalt der Arbeitsplätze. Das Marienhospital Emsdetten und seine engagierte Mannschaft haben unsere uneingeschränkte Rückendeckung verdient!“ – Dieser Morgen hat eindeutig gezeigt, das diese geforderte uneingeschränkte Rückendeckung vorhanden ist.

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.