In einer fulminanten närrischen Sitzung wurde der „bürgerliche“ Mitarbeiter des Tiefbauamtes Münster, Rainer Müllmann, in den karnevalistischen Adelsstand erhoben: Prinz Rainer I. von Dottland. Mit ihm an seiner Seite, wie seit 25 Jahren, – im September 2017 wird Silberhochzeit gefeiert – Prinzessin Petra IV. Und das „immer wieder gerne!“ wie er später Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp gestehen musste, dessen seinerzeitige Verehelichung mit der Erna vom Nachbarhof eine reine Vernunftaktion war: „Papa hat gesagt: Liebe vergeht, Hektar besteht, – so konnten wir durchpflügen… – den Acker…“

Doch zuvor galt es, das zu Beginn des abends noch amtierende Prinzenpaar Dirk und Diane Albers zu „entmachten“. Deren Auftritt natürlich mit dem Ohrwurm der letztjährigen Session „Wenn ick an mien Detten denk“. Die Stimmung in der gut gefüllten Ems-Halle glich einer westfälischen Hochzeitssuppe: sie fing langsam an zu brodeln, hatte eine Menge unterschiedlicher, wohlschmeckender Einlagen und kochte am Ende über. Ob die Köche dieses Überkochen nicht hätten vermeiden können? Nein, – wollten sie auch gar nicht, denn dieses Überkochen war geplant. Und wenn die Suppe dann doch mal etwas fahl wurde, wie bei der einzigen Bütt des abends durch den „Berger Jung“, dann waren die Moderatoren Helmuth Schäckel und Stefan Albers für die passende Priese Salz zur Hand. Gewohnt locker, gewohnt gut vorbereitet aber auch mit der gewohnten Bereitschaft zur Improvisation führten der KGE-Präsident und sein frisch augenoperierter Vize durch ein über vierstündiges Programm.

Das Männer-Ballett aus Oelde, welches nach eigener Auskunft kein einfaches Männer-Ballett ist sondern die „geilste Truppe ever“, durfte die Bühne dann auch nicht ohne Nachschlag verlassen. Aber Emsdetten hat auch eigene Tänzer, das ehemalige Teupen-Ballett, heute der TSC KG Emsdetten e. V., feierte erst am vergangenen Wochenende sein 40-jähriges Bestehen und jetzt einen beeindruckenden Auftritt. Karnevalistischer Gardetanz der Junioren- und Aktivengarde sowie Show-Tanz der „New Generation“ und somit rund 80 Beine, die im Takt den Hallenboden zum Schwingen brachten.

Im Outfit der 70-er Jahre (an den langen Haaren muss Basti noch arbeiten), mit einem Medley aus den 70-ern rockte dann das Duo BaLi, Bastian Scholtyssek und Lisa Klähn, die Bühne. Stadtelferrat und Saalprinzen auf den Rängen hinter der Bühne sowie die zum Großteil kostümierten Närrinnen und Narren unten in der Halle hielten es nicht mehr auf ihren Plätzen, starteten zur Polonaise und spätestens jetzt war es eine große Familie. Das Duo BaLi drehte die Flamme unterm Suppentopf nicht kleiner, sondern goss noch ordentlich Flüssigkeit nach.

Professionelle Stand-Up-Comedy, Slapstick und Akrobatik hatten dann die Lacher auf ihrer Seite, bevor zum großen Finale geblasen wurde. Spätestens jetzt hatte auch der größte Stimmungsminimalist begriffen: „Ich hab hier heute keine Chance!“ Es wurde gefährlich im Saal, die Frauen flogen tief (oder hoch bis unters Hallendach) und die Beine schwirrten durch die Lüfte und das alles gewollt und mit einer derartigen Perfektion, dass man nur noch Staunen konnte, die Ems-Halle tobte an diesem Abend zum zweiten Male in den Sphären, wo sich ein Statiker Schäckel über die Dachkonstruktion Gedanken macht. Zugabe und Zugabe der Zugabe.

Den Rahmen um die vielen schmackhaften Einlagen in der karnevalistischen Suppe bildete der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten. Für die richtige Musik bei der sich anschließenden Party sorgten DJ Olli Kippenbrock und Markus Frieling. Emsdetten ist mittendrin in einer stimmungsvollen Session, die dann Ende Februar mit dem Rosenmontagsumzug hoffentlich einen grandiosen Abschluss findet.

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

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