DSC_1799In unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus trafen sich gestern die „Mitglieder“ der Bürgerinitiative „Krankenhaus Emsdetten“ zu einer ersten Informationsveranstaltung. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, „unabhängig von Kirche und Politik sowie den aktuellen Medien sich für die Weiterführung unseres Krankenhauses einzusetzen“, denn „ihnen als  Bürger ist es wichtig, in Emsdetten eine wohnortnahe Krankenhausversorgung zu haben.“, heißt es auf der Website der Initiative. Und dies stellten die Initiatoren am gestrigen Abend mehr als deutlich unter Beweis.

Michaela Tenbrink und Berthold Stall begrüßten im Namen der Initiatoren anfangs alle Interessierten und freuten sich, neben zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern auch fachkundige und prominente Gesprächspartner/-innen für diese Veranstaltung gewonnen zu haben. Für den gestrigen Abend waren insgesamt 16 Gastredner angefragt – zugesagt und gesprochen haben im Folgenden:

TSF_7660Dr. Klaus Effing (Landratskandidat der CDU für den Kreis Steinfurt) erklärte sich mit der Bürgerinitiative solidarisch und sagte, dass man nun zusammen überlegen müsse, was zu tun sei. Zunächst müsse das laufende Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Im Anschluss müsse sich das Land NRW positionieren und „Farbe bekennen“, wie der zukünftige Krankenhausbedarfsplan für die Region aussehen kann. Sollte sich das Land für einen Standort in Emsdetten aussprechen, so müsse man nach privatwirtschaftlichen Anbietern suchen. Darüber hinaus solle man einen „grünen Tisch“ einberufen.

TSF_7670Dr. Thomas Dolscheid (Sprecher der hiesigen Hausärzte für den Raum Emsdetten/Saerbeck) von der Ärzteschaft in Emsdetten/Saerbeck erklärte sich ebenfalls solidarisch mit der Bügerinitiative und versprach, dass die Hausärzte alles tun werden, um das Anliegen der BI positiv zu begleiten – ihnen seien aber die Hände gebunden. Die Schließung des Krankenhauses, so war sich Dolscheid sicher, erfolgte nicht mangels Qualität am Haus, den Mitarbeitern oder an der Qualität der Versorgung.

TSF_7679Georg Moenikes (Bürgermeister der Stadt Emsdetten) warb anfangs in seiner Rede für die Aufrechterhaltung der drei Krankenhaus-Standorte Emsdetten, Greven und Borghorst. Städte dieser Größenordnung brauchen eine medizinische Not- und Akutversorgen – gerade im Hinblick auf den demographischen Wandel. Das Land NRW forderte Moenikes auf, die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst zu nehmen und in die Überlegungen mit einzubeziehen. Der Kampf um das Krankenhaus, so Moenikes, ist solange noch nicht beendet, bis das Land NRW sich klar positioniert. Und so lange wird Emsdetten um sein Krankenhaus kämpfen.

TSF_7744Martin Hannemann (Mitglied der Mitarbeitervertretung des Marienhospitals) ging es darum, dass ein neuer Investor gefunden wird, der ebenfalls Emsdetten wieder mit einbezieht. Aus persönlicher Erfahrung in der letzten Woche konnte Hannemann sagen, dass ein enges Familienmitglied in der letzten Woche notfallmässig operiert werden musste. Hannemann beteuerte, dass sie sich sehr gut im benachbarten Krankenhaus behandelt gefühlt haben. Er ist zwar in der MAV Emsdetten und sicher auch pro Krankenhaus hier vor Ort, so Hannemann, dennoch haben die Kollegen der anderen Standorte die gleichen Ängste, die man in Emsdetten bereits hinter sich habe. Wenn die anderen Krankenhäuser weiter Schaden nehmen, ist im Südlichen Kreis Steinfurt keinem geholfen, unterstrich Hannemann.

TSF_7683Karl-Josef Laumann (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten und Bevollmächtigter für Pflege) berichtete, dass er kürzlich im Rahmen seiner Tätigkeit als „Patientenbeauftragter der Bundesregierung“ Landrat Kubendorff angeschrieben habe und eine engmaschige Kontrolle der Krankenhausaufsicht gefordert habe. Das Land NRW, so berichtete Laumann, aktualisiere und überprüfe derzeit den Krankenhausbedarfsplan für die Region Münster – in gut drei Monaten werden erste Ergebnisse der Bezirksregierung vorgestellt. Das Krankenhaus habe eine dienende Funktion an den Menschen – dafür seien sie u.a. da. Der Widerstand (gegen die Schließung des Hauses in Emsdetten) zeigt, wie wichtig diese Funktion sei. Er forderte weiter, die Ministerin solle sich ein Bild vor Ort machen und mit wichtigen politischen Entscheidungsträgern sich vor Ort an einen Tisch zu setzen.

TSF_7692RA Stefan Konermann (Rechtsanwalt) berichtete aus Sicht der Mitarbeiter/-innen. Er sähe die Emotionen, die Einzelschicksale. Erfreulich sei, dass nun das Marienhospital wieder im (2.) Bieterverfahren mit aufgenommen wurde – doch, so fragte er, was dies bringe? Angeblich, so Konermann, seien 12 Anbieter an den Häusern interessiert – doch schlussendlich bleibe die spannende Frage: „Für wen entscheidet sich abschließend der Gläubigerausschuss?“ „Hat es am Ende des Tages doch wieder die Kirche zu bestimmen?“, so Konermann. Er habe persönlich das Gefühl, dass die ganze Zeit gepokert wird – und dies auf dem Rücken der Mitarbeiterschaft.

TSF_7646Kathrin Vogler (Mitglied des Deutschen Bundestages (Die LINKE) für den Kreis Steinfurt) griff die Frage von Karl-Josef Laumann auf – was ist eigentlich ein Krankenhaus? Aus ihrer Sicht ist es ein Ort der Daseins- und Nahversorgung – warum müsse solch ein Haus „schwarze Zahlen“ schreiben? Das Marienhospital in Emsdetten sei bestens aufgestellt gewesen, berichtete Vogler und tat ihr Unverständnis bzgl. der Schließung kund. Über ihre Partei habe sie ebenfalls Landrat Kubendorff angeschrieben und gefordert, alle Mitarbeiter/-innen in die öffentliche Hand zu übernehmen. Alle drei Standorte sollen aktiv und erhalten bleiben, forderte Vogler.

TSF_7707Anja Karliczeck (Mitglied des Deutschen Bundestages (CDU) für den Kreis Steinfurt) fordert vom Land NRW ebenfalls eine Entscheidung – die Notversorgung müsse gewährleistet sein. Zwei Dinge müssen ihrer Ansicht nach klar sein – das Land positioniere sich bzgl. einer genauen Anzahl an Bettenplätze und die Wirtschaftlichkeit müsse gegeben sein. Auch wenn nicht täglich in den Medien darüber berichtet wird, verfolgt Frau Karliczeck das weitere Verfahren genau und arbeitet zusammen mit anderen Politikern an einer Lösung.

Die Bürgerinitiative hatte auch die Geschäftsführung der Marienhospital Münsterland GmbH, Dr. Eichenauer und Herrn Scheer eingeladen, die jedoch terminbedingt absagen mussten. In einem schriftlichen Statement, welches vorgelesen wurde, betonten sie, dass sie selbstverständlich mit jedem Interessenten ernsthaft verhandeln werden, der sich für alle drei Standorte interessieren sollte. Abschließend wiesen sie nochmals daraufhin, dass für Patienten, die eine unmittelbare Notfallversorgung am Krankenhaus wünschen, die Häuser in Steinfurt und Greven weiterhin im vollen Umfang zur Verfügung stehen.

Ebenso war auch Herr Generalvikar Kleybold zur kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung eingeladen. Er war in dieser Woche nicht vor Ort in Münster und konnte deshalb an der Veranstaltung nicht teilnehmen, ließ seinen Stellvertreter, Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld ausrichten. In seinem Schreiben erklärte Reidegeld, dass das Bistum in das Insolvenzverfahren nur eingeschaltet worden ist, weil es sich bereit erklärt hat, aus sozialer Verantwortung für die Mitarbeiter/-innen der Krankenhäuser Kirchensteuermittel einzusetzen, um die Folgen für diese zu mildern.

Im Anschluss an die Statements hatten die Besucher der Veranstaltung noch Zeit, um ihre Fragen zu stellen und beantwortet zubekommen. „Warum sei die Geschäftsführung noch in Amt und Würden?“, „Was koste das leer stehende Krankenhaus?“ und „Was passiert mit dem Gebäude, wenn kein Krankenhausbetrieb dort mehr stattfinden wird?“ waren Einige davon.

Dieser Abend war ein Interssanter – noch nie habe es so viel an unterschiedlicher Fachkompetenz bzgl. des Marienhospitals und dessen Schließung an einem Ort und zu einem Zeitpunkt gegeben. Auch wenn in der Emshalle noch Plätze frei blieben, war es trotzdem ein großartiger Erfolg der Bürgerinitiative! Denn erst in der letzten Woche hatte man sich bekanntlich offiziell gegründet. Was in dieser Zeit alles ehrenamtlich auf die Beine gestellt wurde – Chapeau! Emsdetten kämpft (weiterhin) um sein Krankenhaus! Und das mit einer Bürgerinitiative, die ihre Hausaufgaben gemacht hat!

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