Giebel (Querformat)-2Am 13. September finden bekanntlich die Landratswahlen statt. „Alles Detten“ bat den Landratskandidaten der SPD, Herrn Dr. Stefan Giebel, um die Beantwortung von fünf Fragen. Im Vorfeld zur Wahl haben wir jedem Kandidaten die gleichen Fragen gestellt und sie gebeten, sich vorzustellen. Lernen Sie Dr. Stefan Giebel näher kennen:

Ich heiße Stefan Giebel, bin 39 Jahre alt und seit 2011 verheiratet mit meiner Frau Afshaan. Wir haben uns, wie das für meine Generation ja keine Seltenheit ist, über soziale Netzwerke kennengelernt. Und es hat von Anfang an gepasst, und wir sind immer noch sehr glücklich!

Meine Frau ist in Indien geboren und in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgewachsen. Ich selbst habe meine Kindheit und Jugend sowohl in Patras und Athen in Griechenland als auch in meiner nordhessischen Geburtsstadt Wolfhagen bei Kassel verbracht. Meine Eltern waren als Textil-Betriebswirte sowohl in Deutschland und Griechenland tätig, deshalb bin ich zwischen zwei Sprachen und Kulturen groß geworden. Ich weiß daher, wie es sich anfühlt, wenn man hier wie dort eigentlich als Fremder angesehen wird.

Nach dem Abitur habe ich mehrere Fächer studiert, unter anderem  Politik und Wirtschaftswissenschaft. Meinen Doktor habe ich in Soziologie, Mathematik und Sozialer Arbeit gemacht. Mein Studium habe ich durch Nebenjobs selbst finanziert. Anschließend war ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten tätig, ehe ich 2011 meine jetzige Leitungsposition in der öffentlichen Verwaltung angetreten habe.

Jetzt möchte ich meine große Leidenschaft, die Politik, mit meinen Kenntnissen aus der Verwaltungstätigkeit verbinden und Landrat im Kreis Steinfurt werden. Meine Frau und ich haben durch die vielen Wahlkampftouren schon viel gesehen, und wir sind beide einer Meinung: Es ist wirklich schön hier, wir möchten im Kreis Steinfurt gerne Wurzeln schlagen.

In meinem Wahlprogramm sind mir mehrere Dinge sehr wichtig:

  • Ich möchte einen Kreis Steinfurt mit sozialer Verantwortung. Wir müssen diejenigen unterstützen, die nicht mehr aus eigener Kraft oder nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir müssen uns daran messen lassen, wie wir mit den Schwächsten aus unserer Mitte umgehen! Ich habe selbst mal ehrenamtlich für eine Obdachlosenzeitung gearbeitet, ich weiß, wie schnell Menschen aus dem sozialen Netz herausfallen können und wie sehr sie dann unsere Hilfe benötigen.
  • Wichtig ist für mich auch, dass es gute Arbeit und eine starke Wirtschaft Dafür müssen wir Rahmenbedingen schaffen. Zum Beispiel, indem wir kleine und mittlere Unternehmen aktiv unterstützen, eine gute Infrastruktur etwa beim Ausbau eines schnellen Internets schaffen, oder auch, indem wir uns für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch mehr Kita-Plätze und flexiblere Betreuungszeiten stark machen.
  • Am Herzen liegt mir zudem, dass im Kreis Steinfurt Vielfalt und Toleranz gelebt wird. Es engagieren sich schon sehr viele Menschen bei uns ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Wir als Kreis Steinfurt sollten sie dabei unterstützen und die dringend nötige Koordination der Hilfeleistungen übernehmen, also ein Kommunales Integrationszentrum einrichten. Das gibt es fast überall schon in NRW, weil das Land die Personalkosten ja auch trägt. Nur hier sträubt man sich noch aus politischen Gründen. Das ist fahrlässig!
  • Weiteres wichtiges Thema in meinem Wahlprogramm ist eine moderne Daseinsvorsorge. Dazu gehört unter anderem ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass sich ein junger Mensch aus Recke, der in Steinfurt an der FH studieren will, dort eine Wohnung nehmen muss, weil Bus- und Bahnverbindungen so schlecht sind. Auch gehört die wohnortnahe medizinische Versorgung zu dieser Daseinsvorsoge, Stichwort Krankenhaus-Krise: Da muss der Kreis Steinfurt ein Konzept liefern, nicht nur abwarten und immer mit dem Finger auf Düsseldorf zeigen!
  • Solide Finanzen, eine nachhaltige Umweltpolitik und eine bürgernahe Kreisverwaltung stehen für mich im Programm ebenfalls ganz weit oben.

Im Rahmen des Interviews wurde allen Landratskandidaten der einzelnen Parteien die gleichen fünf Fragen gestellt:

1. Welchen Beruf haben Sie gelernt und wo liegt Ihr „politischer Ursprung“?
Bereits in meinem Studium und in meiner akademischen Laufbahn war mein Schwerpunkt die Kriminologie. Das habe ich fortgeführt, als ich in die öffentliche Verwaltung gegangen bin. Derzeit bin ich Leiter des Kriminologischen Dienstes und der Justizvollzugsausbildungsstätte in Thüringen. Zur Politik und zur SPD bin ich gekommen, weil ich mich für Willy Brandt begeistert habe. Sein Kurs der Entspannung ist heute noch richtungsweisend: Mehr denn je brauchen wir für die Lösung der vielen Konflikte auf der Welt und in unserer Gesellschaft den Dialog. Mein „politischer Ursprung“ liegt in der Kommunalpolitik.  Seit über einem Jahrzehnt bin ich  Gemeindevertreter in meinem Heimatort in Nordhessen. Mir sind deshalb die Sorgen der Kommunen bekannt, besonders die schwierige finanzielle Situation angesichts der Pflichtaufgaben.

2. Was unterscheidet Sie von Ihren Konkurrenten im Landrats -Wahlkampf?
Ich halte es für einen Vorteil, nicht aus der Verwaltung des Kreises oder aus der Politik vor Ort zu stammen. Es gibt mir die Möglichkeit, einen unvoreingenommenen Blick auf den Kreis zu werfen, neue Wege zu gehen und den Gestaltungsspielraum zu erweitern. Ich möchte pragmatische, ideologiefreie Politik für den Kreis Steinfurt. Dazu gehört für mich auch, Fördermittel abzugreifen, ob bei Land oder Bund.  Der Beruf als Landrat reizt mich, weil ich nicht nur verwalten, sondern mit den Menschen und den Kommunen gestalten möchte.

3. Wie sieht Ihr „Fünf-Jahresplan für den Kreis Steinfurt “ aus?
Angesichts der Globalisierung und dem Wettbewerb der Regionen müssen wir im Kreis Steinfurt noch mehr tun, um eine attraktive Region und ein guter Wirtschaftsstandort zu bleiben.

  • Eine erste Aufgabe als Landrat stellt für mich die medizinische Versorgung im gesamten Kreis dar. Bereits in den ersten Monaten will ich daher gemeinsam mit allen Kommunen bedarfsorientiert ein Konzept erstellen. Schwerpunktmäßig wird es dabei darum gehen, mit den zentral liegenden Städten medizinische Versorgungszentren zu planen.
  • Eine weitere wichtige Aufgabe besteht in dem ersten halben Jahr darin, das Kommunale Integrationszentrum gemeinsam mit den Kommunen umzusetzen. Dabei werden die bestehenden Netzwerke genutzt und die ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Die Kommunen vor Ort brauchen diese Hilfe dringender denn je, das habe ich immer wieder gehört. Alles andere kann in der jetzigen Situation einfach nicht mehr verantwortet werden!
  • Schon im ersten Jahr möchte ich auch ein Mobilitätskonzept umsetzen. Es soll alle Möglichkeiten des Öffentlichen Personennahverkehrs enthalten. Wir brauchen einen Mix aus Bahn, Bus, Anrufsammeltaxi, Leihfahrrädern und vielem mehr, um die Mobilität zu sichern. Das ist nicht nur für die Umwelt gut, sondern verhindert auch die Abwanderung aus dem ländlichen Raum. Es muss eine bessere Vernetzung her. So stellen wir sicher, dass Menschen zur Arbeit pendeln und Ärzte erreichen können.
  • Im Bereich Erziehungsmaßnahmen wird es mit mir ab sofort keine Einsparung mehr geben. Familien brauchen frühzeitige Förderung.
  • Inklusion und Barrierefreiheit sind langfristige Aufgaben, die es immer wieder von Neuem anzupacken gilt.
  • Die internationale Vernetzung für die Wirtschaft ist wichtiger denn je. Ich werde mich in meinem Fünf-Jahresplan nicht nur für den Tourismus einsetzen, sondern auch für die Produkte der nachhaltigen Landwirtschaft und für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen vor Ort. Der Kreis unter mir wird Fördermittel auch in diesem Bereich akquirieren. Denn er ist nicht reich genug, um darauf zu verzichten.

4. Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Steinfurt wünsche ich mir…
…eine hohe Lebensqualität und die Freude, hier leben und arbeiten zu können, eine Familie zu gründen, Kinder groß zu ziehen und ohne Sorgen alt werden zu können.

5. Wo drückt in Ihren Augen im Kreis Steinfurt gerade besonders der Schuh? Und was sind Ihre Lösungsansätze an dieser Stelle?
Das größte Problem liegt in der Zusammenarbeit zwischen Kreis und Kommunen. Das schlägt sich auch im Umgang mit Fördermitteln nieder. Mit mir werden keine Fördermittel für die Aufgaben des Kreises abgelehnt.

(Foto: SPD Kreis Steinfurt)

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