IMG_5323-b-2000Am 13. September finden bekanntlich die Landratswahlen statt. „Alles Detten“ bat den Landratskandidaten der Partei  „Bündnis 90/Die Grünen“, Herrn Hermann Stubbe, um die Beantwortung von fünf Fragen. Im Vorfeld zur Wahl haben wir jedem Kandidaten die gleichen Fragen gestellt und sie gebeten, sich vorzustellen. Lernen Sie Hermann Stubbe  näher kennen:

Hermann Stubbe, 47 Jahre, verheiratet, 3 Kinder. Ich bin vor 25 Jahren den Grünen beigetreten und seitdem in Münster und seit 12 Jahren im Kreis Steinfurt politisch aktiv. Derzeit bin ich Kreistagsmitglied und Kreissprecher meiner Partei. Thematisch war mir immer wichtig, mich nicht auf ein Thema zu reduzieren. Wichtig sind mir besonders die Themen im Zusammenhang mit Umwelt, Gerechtigkeit und Freiheit. Ich bin gerne in der Natur unterwegs, so dass ich viel wandere und im Garten arbeite. Schon seit meiner Jugend habe ich mich gerne mit Technik beschäftigt. So habe ich nach dem Abitur eine Ausbildung im IT-Bereich gemacht und parallel zu Studium und Arbeit im Netzwerk- und Programmierbereich betätigt. Nach der Ausbildung habe ich ein Lehramtsstudium (Erdkunde, Sozialwissenschaften, Mathe und Physik, jeweils für Sek. I/II) absolviert und ich arbeite seit 2 Jahren an der Gesamtschule Greven, davor an der Gesamtschule in Saerbeck.

Für die Landratswahl sind mir besonders 6 Themen wichtig:

  • Klimaschutz: Der Kreis Steinfurt hat große Erfolge im Bereich der Energiewende erreicht. Ich selbst komme aus der Klimakommune Saerbeck. So kann ich die guten Erfahrungen, die hier gemacht werden, im Kreis einbringen. Dabei geht es besonders darum, die Menschen in den Prozess der Energiewende einzubinden. Aber auch der Natur- und Artenschutz muss bei allen Anstrengungen zur Energiewende beachtet werden, was besonders bei der Windenergie wichtig ist.

  • Landwirtschaft: Die enge Verbindung aus CDU und Bauernverbänden hat die Landwirtschaft in den Teufelskreis aus immer höheren kreditfinanzierten Investitionen und immer mehr industrieller Massentierhaltung geführt. Die Folge sind Belastung des Grundwassers, oft schreckliche Haltungsbedingungen für die Tiere und Emissionen, die die Menschen krank machen. Der Kreis sollte sich an die Spitze einer Agrarwende stellen. Er sollte regionale Vermarktung fördern und bei Stallbauten kritischer hinsehen.

  • Mobilität: Bislang wurde viel zu sehr auf den Autoverkehr geachtet und der Busverkehr als Sparmodell missbraucht. Abends um am Wochenende geht – außer bei den Linien nach Münster – gar nichts. Bislang wird der Busverkehr kaputtgespart. Mit nur 4€ pro Person und Jahr liegt die Verlustabdeckung im Kreis Steinfurt nur bei einem Bruchteil vergleichbarer Kreise. Das merkt man deutlich an der Qualität. Ich will einen integrierten ÖPNV schaffen, wie er skizziert wird im Masterplan klimafreundliche Mobilität, der jüngst von der Kreisverwaltung entwickelt wurde. Die verschiedenen Verkehrsträger wie Fahrräder mit oder ohne E-Motor, Autos (elektrisch und benzinbetrieben), Busse und Bahnen müssen besser vernetzt werden.

  • Integration: Der Kreis sollte Neubürger auch aus anderen Ländern willkommen heißen. Das ist in der Vergangenheit nicht gut genug gelungen. Ich sehe den Flüchtlingszustrom als große Chance an. Die Menschen werden lange bleiben und sind auch für uns eine Bereicherung, wenn wir sie jetzt willkommen heißen. Ein wichtiger Schritt wäre die Einrichtung eines kommunalen Integrationszentrum, das bislang vor allem von der CDU aus parteitaktischen Gründen und mit fadenscheinigen Argumenten verhindert wird.

  • Flughafen: Das finanzielle Desaster beim FMO geht vor allem auf das Konto einer Politik, die in den letzten Jahrzehnten blind auf unrealistische Wachstumsziele gesetzt hat. Die Kredite des FMO sind öffentlich verbürgt und müssen sowieso von uns bezahlt werden. Ich will ein Ende des unsinnigen Millionengrabs Startbahnverlängerung und ein realistisches Konzept, damit der FMO nach der Entschuldung ohne Zuschüsse auskommt. Wer fliegen will, soll die Kosten selbst tragen. Für mich gehören Flughäfen eindeutig nicht zur öffentlichen Daseinsvorsorge, die dauerhaft öffentlich bezuschusst werden sollte.

  • Digitalisierung: Die meisten Menschen im Kreis haben Internetanschlüsse zwischen 6 und 16 Mbit/s, was als Grundversorgung derzeit in Ordnung ist. Aber viele müssen auch mit langsameren Anschlüssen auskommen, für die wir schnellstmöglich individuelle Lösungen finden müssen. In der Breite muss echtes Breitband ab 50 Mbit/s für alle schon bald Standard werden. Ich bin seit Jahren im Freifunk aktiv und würde diese Möglichkeit, ein kostengünstiges und freies WLAN-Netz im Kreis aufzubauen, kräftig unterstützen. Eine gute digitale Infrastruktur ist nicht nur als Wirtschaftsfaktor wichtig. Wenn wir hier hinter den Zentren wie Münster zurückbleiben, können wir auch als Wohnort für Familien auf Dauer nicht attraktiv bleiben.

Im Rahmen des Interviews wurde allen Landratskandidaten der einzelnen Parteien die gleichen fünf Fragen gestellt:

1. Welchen Beruf haben Sie gelernt und wo liegt Ihr „politischer Ursprung“?

Ich habe eine Berufsausbildung zum Mathematisch-technischen Assistenten (entspricht etwa dem heutigen Fachinformatiker) und ein Studium der Fächer Erdkunde, Sozialwissenschaften, Mathe und Physik (jeweils für Sek. I/II).

Politisch bin ich 1989 aktiv geworden und bei den Grünen eingetreten. Seitdem sehe ich mich als realpolitischen Linken, der die Welt im ökologisch-sozialen Sinne verbessern möchte. Wer etwas erreichen will, muss Kompromisse machen, dabei aber immer einen klaren Kompass bewahren.

2. Was unterscheidet Sie von Ihren Konkurrenten im Landrats -Wahlkampf?

Die beiden anderen Kandidaten sind Verwaltungs-Profis. Ich habe vor beiden Mitbewerbern hohen Respekt, weil sie gute Arbeit in ihren Bereichen leisten. Ich selbst habe andere Erfahrungen als Arbeitnehmer und Lokalpolitiker gemacht. Fast drei Jahrzehnte Politik haben mir klar gemacht, welche Auseinandersetzungen in der Gesellschaft geführt werden und wie man in der Politik etwas erreicht. Ich glaube, dass 1300 Menschen mit Verwaltungserfahrung in der Kreisverwaltung gute Arbeit machen. Deren Erfahrungen will ich nutzen , um dann mit klaren Werten und Zielen eine Politik für Umwelt und Menschen anzustoßen. An der Spitze der Verwaltung sollte gerade nicht ein Verwalter stehen, sondern ein Gestalter.

3. Wie sieht Ihr „Fünf-Jahresplan für den Kreis Steinfurt “ aus?

Ich will die Kommunen auch weiter so gering wie bisher belasten. Der Kreis hat eine sehr niedrige Kreisumlage, was ich auch beibehalten will. Mittel sollen aber aus dem Straßenbau in den klimafreundlichen Umbau und eine Politik des vorsorgenden Sozialstaats umgeschichtet werden. So kann das Leben für die Menschen verbessert und die Umwelt geschont werden, ohne dass zusätzliche finanzielle Belastungen auf die Kommunen und damit auf die Menschen zukommen. Ich will in 5 Jahren große Schritte in Richtung Energieeinsparung, erneuerbarer Stromerzeugung und klimafreundlicher Mobilität machen.

4. Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Für die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Steinfurt wünsche ich mir …

dass sie so leben können, wie sie es wünschen. Der Kreis als Teil des Staates muss dafür die Grundlagen legen: Soziale Sicherheit, gute Infrastruktur, intakte Umwelt, keine unnötige Einschränkung. Aber auch eine sinnvolle Regelung der widerstrebenden Interessen, damit sich nicht die Stärkeren oder die Dreisteren durchsetzen.

5. Wo drückt in Ihren Augen im Kreis Steinfurt gerade besonders der Schuh? Und was sind Ihre Lösungsansätze an dieser Stelle?

Im Moment müssen die Flüchtlinge gut integriert werden und besonders die vielen Menschen, die ehrenamtlich den Flüchtlingen helfen, entlastet werden. Dafür brauchen wir professionelle Kräfte im Kreis und bei den Kommunen. Ein wichtiges Signal ist dabei die Einrichtung eines kommunalen Integrationszentrums, da die engagierten Ehrenamtlichen kein Verständnis für das parteipolitische Hickhack um diese Frage haben. Das Land würde uns 5,5 bzw. 6,5 Stellen kostenlos zur Verfügung stellen, wenn wir „ja“ sagen. Auch in den Kommunen müssen Stellen geschaffen werden. Da kann der Kreis koordinieren, um Landes- und Bundesmittel optimal einzuwerben. Wir müssen alle Wege beschreiten, die uns Unterstützung bieten. Und mit dem kommunalen Integrationszentrum kann für den Kreis kostenlos ein deutlicher Schritt umgesetzt werden. Die Flüchtlinge müssen schnell in Sprachkurse kommen und möglichst bald arbeiten dürfen. Dann kann Integration gelingen, damit sie zu Mitbürgerinnen und Mitbürgern werden.

(Foto: Hermann Stubbe)

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