Marie glaubt, einen Flug nach Neuseeland gebucht zu haben, sitzt plötzlich im Flieger nach London, – ganz sicher aber das richtige Ticket gelöst haben die rund 500 Besucher in  Stroetmanns Fabrik beim Konzert des Kolping Blasorchesters. Sie haben den klimatisierten Bürgersaal dem dann doch verführerischen Grillwetter vorgezogen. Die Buchung von Marie stellt sich im weiteren Verlauf als around-the-world-ticket heraus: vom westfälischen FMO nach London, in die Türkei, New York, Österreich, Karibik, Stockholm, Irland und schließlich doch noch nach Neuseeland. Eine musikalische Weltreise, teilweise mit Unterstützung des Kolping-Spielmannszuges, charmant verpackt in kleine Sketche rund um die Kolping-Air, dargeboten von einem imposanten Klangkörper unter der musikalischen Leitung von Julian Sielenkämper.

Orchestermusik ist ein Mannschaftssport, hier gibt es keine Einzelkämpfer. Und dieser gelebte Teamgeist kam über, begeisterte das Publikum. Ob Radetzky-Marsch oder Heal the World, ob Marie Poppins oder Auszüge aus Fiddler on the Roof, klangvoll, dynamisch, bezaubernd intoniert. Beeindruckend, wie konzentriert und akribisch hier Musik zelebriert wurde. Julian Sielenkämper hat in den gut drei Jahren, in denen das Orchester jetzt unter seinem Dirigat arbeitet einiges geleistet.

Mit einiger Wehmut im Herzen muss Jan Holtkamp, Vorsitzender der Kolpingfamilie, dann verkünden, dass Sielenkämper wegen beruflicher Veränderungen leider das Kolping-Orchester verlassen wird, das heutige Konzert seine vorerst letzte Aktion ist. Selbst ganz Teamplayer gab der scheidende Dirigent die auf ihn niederprasselnden Lorbeeren an sein Orchester weiter, lobte den Einsatz bei den Proben, die Disziplin und die musikalische Klasse die sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, vor allem in den letzten acht Monaten, in denen dieses Konzert von der Idee bis zur Vollendung gereift ist.  Mit Heiko Kreft wurde dann auch gleich ein Nachfolger vorgestellt.

Dass das Kolping-Blasorchester auch für die Zukunft gut aufgestellt ist, das bewies noch vor der Pause im „kleinen Finale“ das Junior-Orchester, die strahlenden Gesichter beim berechtigt tosenden Applaus sprachen Bände. Erfrischend anders (als sonst übliche Moderationen), erfrischend gut, die bereits erwähnte Rahmengeschichte. Charmant und äußerst unterhaltsam wird hier den Musikern Gelegenheit gegeben, einmal durchzuatmen. Zum Schluss dann der Dank an alle Aktiven vor, auf und hinter der Bühne. die obligatorischen Blumensträuße und, – das war ja sowas von klar: die Zugabe, bestehend aus einem Medley bekannter Kinderserien, von Heidi über Pipi Langstrumpf, Schlümpfe, Pinnocchio, Biene Maja, bis hin zu Pumuckel – und der ganze Saal hat mitgesungen.

Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade.

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