Wer hat sie nicht noch vor Augen, – die Bilder aus 2014, als in Emsdetten Tausende auf die Straße gingen um zu demonstrieren, als die Schließung des Krankenhauses drohte, als man noch Hoffnung hatte, dieses Szenario verhindern zu können. Inzwischen ist es schon seit langem ein Faktum: das Marienhospital und die damit einhergehende medizinische Versorgung in Emsdetten gibt es in der Form nicht mehr. Aus der damaligen Euphorie ist Resignation geworden. Die einst gegründete „BI zum Erhalt des Marienhospitals“ hat sich aufgelöst, der daraufhin ins Leben gerufene Verein „Gesundheitsstadt Emsdetten e. V.“ musste zwischenzeitlich wegen neu geschaffener Voraussetzungen seine Ziele anders formulieren.

Dieser Verein hatte am Donnerstag zu einer Mitgliederversammlung in den Lichthof von Stroetmanns Fabrik eingeladen. Nur etwa ein Drittel der knapp 100 Mitglieder waren dieser Einladung gefolgt, – ein Zeichen, dass die Emsdettener Bürger mit der derzeitigen medizinischen Versorgung in Emsdetten zufrieden sind, keinen Änderungsbedarf sehen? Mitnichten, stellten dann Karl Heisterkamp, Sprecher des geschäftsführenden Vorstandes sowie Albert Dütsch, Justiziar des Vereins fest.

Viele haben sich möglicherweise tatsächlich mit dem Umstand abgefunden, sehen keinen Handlungsbedarf, weil man selber aktuell nicht betroffen ist, in jüngster Vergangenheit weder den Rettungsdienst in Anspruch nehmen musste, noch ein Krankenhausaufenthalt notwendig war. Dieses Glück kann sich aber ganz schnell ändern.

Der Vorstand hat sich zuletzt mit wichtigen Sachthemen beschäftigt, dabei ist eine transparente Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation nach außen hin, leider zu kurz gekommen. Genau an diesem Punkt, so der Vorstand, will man in Zukunft ansetzen, die Bereitschaft der Emsdettener Bürger aktiv wie passiv im Vereinswesen nutzen.

Mit einigen Hürden, aber letztlich doch erfolgreich, konnten Heisterkamp und Dütsch (der Rahmenvertrag hierzu war erst am Vorabend unterzeichnet worden) berichten, dass die Bereitstellung von 50.000.– € seitens der Stadt Emsdetten für eine Machbarkeitsstudie erwirkt wurde. Hier soll ein völlig neues Modell der Notfallversorgung in Emsdetten erarbeitet und im günstigsten Fall am Ende umgesetzt werden.

Heisterkamp informierte in der fast drei Stunden währenden Versammlung, in der auch lebhaft und konstruktiv diskutiert wurde, aus der 5.000-Einwohner zählenden Gemeinde Büsum. Wegen des dort herrschenden Hausärztemangels sah der örtliche Bürgermeister zusammen mit seinen Gemeindevertretern keine andere Möglichkeit, als ein Medizinisches Versorgungszentrum in kommunaler Trägerschaft zu errichten. Das bundesweit bislang einmalige Projekt schreibt mittlerweile schwarze Zahlen.

Zur Ist-Aufnahme für die Machbarkeitsstudie gehört eine Umfrage in der Bevölkerung um deren Erfahrungen während der vergangenen 2 Jahre zu dokumentieren, Mängel aufzuzeigen. Entsprechende Fragebögen sollen in Arztpraxen, Apotheken oder auch in den Emsdettener Betrieben ausgelegt werden.

Angesichts des weiterhin prognostizierten Krankenhaussterbens (bis zum Jahr 2020 sollen weitere 250 Einrichtungen in Deutschland geschlossen werden), ist auch nicht auszuschließen, dass im Kreis Steinfurt weitere Einbußen gemacht werden müssen. Um genau in diesem Moment gewappnet zu sein, dafür setzt sich der Verein „Gesundheitsstadt Emsdetten e.V.“ ein, will jetzt ganz gezielt neue Mitglieder werben, die Bevölkerung für die so wichtige Thematik sensibilisieren. Ziel muss es sein, in Emsdetten rund um die Uhr die medizinische Versorgung für jeden über das grundsätzlich notwendige Maß hinaus zu gewährleisten. Denn das ist auch ein wichtiger Faktor um Emsdetten eine Zukunft als Wohn- und Wirtschaftsstandort sichern zu können.

Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.