Im Handball ist ein Hattrick – 3 Treffer hintereinander vom gleichen Spieler – nichts Ungewöhnliches. Ein Titel-Hattrick ist eher selten – aber es geht noch viel besser: 3 Stammzellspender für Leukämiekranke aus einer Handball-Mannschaft. Dabei haben sie sich erst vor zwei Jahren bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erster Stammzellspenderdatei, registrieren lassen.

Eine Stammzellspende kann Leukämiepatienten eine letzte Chance geben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlung nicht helfen. Mit ihr bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Das funktioniert jedoch nur, wenn sich gesunde Spender als mögliche Lebensretter zur Verfügung stellen.  Spenden kann allerdings nicht jeder, sondern nur jemand, dessen genetische Merkmale mit denen eines Patienten übereinstimmen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist sehr gering und trotz der weltweit mehr als 30 Millionen registrierten Spender findet nach wie vor nicht jeder Patient einen passenden Spender.

In der Geschichte der Stefan-Morsch-Stiftung, die seit mehr als 30 Jahren Stammzellspender weltweit vermittelt, ist das sehr außergewöhnlich, das aus einer Mannschaft 3 Spender ausgewählt werden.

Diese Dichte an Lebensrettern in einem kleinen Team  ist insofern ungewöhnlich und statistisch fast so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Ungewöhnlich ist auch der Weg, der dazu führte.

Im August 2014 fing alles an. Ein Internet-Trend – die „Cold Water Challenge“ schwappte durch Deutschland. Feuerwehren, Sportvereine und Firmen filmten ihre kreative Art, sich nass zu machen und stellten dies ins Internet. Eine Mannschaft oder ein Verein nominiert ein anderes Team, so wurden die TVE-Handballer durch den TV Jahn Rheine nominiert.  Die Handballer der TV Emsdetten Youngsters waren sicher diejenigen, die diese Herausforderung am kreativsten und sinnvollsten genutzt haben. Die Handballer der TV Emsdetten Youngsters – ließen sich im Rahmen ihrer Cold Water Challenge geschlossen als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren. Dieter Engbersen, der schon viele Typisierungsaufrufe für die gemeinnützige Organisation gestartet hat, ist der Onkel des Youngsters-Trainers Tobias Helming. Er hatte die Handballer auf die Idee gebracht. Die Bilanz nach 3 Jahren: drei echte Lebensretter: Fynn Dörtelmann, Marc Mielisch und Max Göcke. Jeder der drei Spieler hat einem an Leukämie erkrankten Menschen eine Chance auf Leben ohne Leukämie gegeben.

Jeder der Drei kann eine Geschichte zu seiner Stammzellspende erzählen. Alle empfinden sie dies als etwas Besonderes und Prägendes. Was allen Stammzellspendern gemein ist, ist der unbedingte Wille zu helfen, einem unbekannten Leukämiekranken, irgendwo auf der Welt – egal welcher Hautfarbe oder welchen Glaubens. Hilfsbereitschaft und Solidarität sind – bei den meist jungen Spendern – Beweggründe für ihre Rettungstat.

Einer der Typisierten, der technische Produktdesigner und Maschinenbaustudent Fynn Dörtelmann, der immer noch bei den Youngsters des TV Emsdetten Handball spielt drückt es so aus: „Ich habe eigentlich nie darüber nachgedacht, dass man es nicht machen könnte. Ab dem Moment, wo am dann erfährt, das man Spender werden kann, war es eigentlich auch klar, dass man das macht.“

Marc Mielisch, der 21-jährige Wirtschaftsinformatikstudent an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster bekennt: „Wenn ich einmal Hilfe brauche, dann hoffe ich, das Andere für mich da sind. Jetzt zu helfen, ist für mich daher eine Selbstverständlichkeit.“ Mielisch, der mittlerweile als Rückraumspieler in der 3. Mannschaft des TV Emsdetten Handball spielt, spendete – während seines Abiturs – 2016 Stammzellspenden für einen 46 Jahre alten Franzosen.

Max Göcke war der dritte im Bunde. Er spendete 2016 für eine Patientin aus Skandinavien. Der 26-jährige Broghorster, der mittlerweile wieder bei seinem Heimatverein spielt, bekam damals auf der Arbeit vor der Mittagspause überraschend den ersten Anruf, dass er für eine Stammzellspende in Frage kommen könnte. Nach den notwendigen Untersuchungen konnte er, knapp einen Monat später, zusammen mit seiner Freundin in das DRK-Zentrum nach Ratingen fahren um über Apherese, so nennt sich das Verfahren, mit dem die peripheren Blutstammzellen aus dem Blut des Spenders herausgewaschen werden, seine Stammzellen zu spenden. Für Max war es wichtig, sich schnellstmöglich nach der Spende zu erkundigen, wie es der Empfängerin geht. Als er erfahren hat, dass es ihr gut geht, war er erleichtert und froh. „Aus meinem Freundes und Bekanntenkreis die haben alle sehr positiv reagiert. Die haben sich mit mir gefreut und waren alle sehr stolz. So was passiert ja nicht jeden Tag.“

Bei der Typisierung wird eine Speichelprobe entnommen. Im Labor werden dann zunächst die Gewebemerkmale bestimmt. Die persönlichen Daten und HLA-Merkmale werden unter der Beachtung des Datenschutzes bei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert. Die Gewebemerkmale sind dann, anonymisiert über eine Spendernummer, im deutschen Zentralregister (ZKRD) für weltweite Patienten-Suchanfragen verfügbar.

In Spenderdateien wie der weltweit vernetzten Stefan-Morsch-Stiftung sind derzeit mehr als 30 Millionen Menschen registriert. Trotzdem ist es oft noch ein Glücksfall, wenn sich ein passender Spender findet. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, dass einem an Leukämie erkrankten Menschen geholfen werden kann.

Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 – 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

(Quelle: Text: Stefan-Morsch-Stiftung)

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