IMG_1948Schon vor der Turnhalle an der Schule in Hollingen sind es am Mittwochmorgen über 20° C – im Innern erscheint es zunächst etwas kühler, dieses Gefühl lässt aber von Minute zu Minute nach. Auf den Matten tummeln sich rund 20 Kids im Alter von 6 – 12 Jahren. Eigentlich eine Truppe, die schon alleine die Halle auf links drehen könnte, – aber Doris und Sabine scheinen die kleinen Monster im Griff zu haben. Doris ist Trägerin des braunen Gürtels und Sabine hat mit dem schwarzen Gürtel gar die höchste Auszeichnung im Judo-Sport. – Ist das der Grund, warum die Kinder plötzlich so diszipliniert sind? Möglicherweise, – aber nicht aus Angst vor dem schwarzen Gürtel im Kampfsport und der damit verbundenen drohenden „Keule“ – sondern wohl eher die Ruhe und Gelassenheit die die beiden „Vorkämpferinnen“ vom Judo-Verein Koriouchi Emsdetten e.V. ausstrahlen. An drei Tagen werden die Kinder in die Grundzüge des Judo-Kampfsports eingeweiht, lernen, wie man richtig fällt, ohne sich dabei weh zu tun, lernen Wurftechniken um den Gegner kurzzeitig außer Gefecht zu setzen, lernen aber auch Respekt und Bescheidenheit. „Der Köper hat zwei Hände, zwei Füße und einen Kopf, alles Dinge die man auch lernen muss, koordiniert einzusetzen.“ so die beiden Übungsleiterinnen im anschließenden Gespräch mit „Alles Detten“. Schon beim Zusehen bekomme ich blaue Flecken, den Kindern aber gefällt es. Das Interesse, nach diesem Schnupperkurs weiter einzusteigen, ist groß und erfahrungsgemäß bleiben viele nach der anfänglichen Euphorie tatsächlich bei der Stange. Nur eines bleibt mir an diesem Morgen verborgen: „Judo“ heißt übersetzt „der sanfte Weg“, – sollte man vielleicht nochmal googlen, vielleicht unterliegt die Menschheit hier ja einem Jahrhunderte alten Irrglauben…

Zweite Lolipopp-Ferienprogramm-Station an diesem Tag: es ist 18 Uhr an der Eisenbahnstraße, 36° C. Die Temperaturen dürften in wenigen Stunden auf den Stand von heute morgen vor der Turnhalle abgekühlt sein, – aber noch sind sie es nicht. Wir haben den bisher wohl heißesten Tag in diesem Sommer.  Auf dem eingezäunten Gelände der Bogenschützen des TVE sucht sich zunächst jeder ein schattiges Plätzchen, versucht, jede Bewegung zu vermeiden. Bevor es zum praktischen Teil übergeht und tatsächlich jeder das etwas unhandlich wirkende Sportgerät unter Anweisung benutzen darf, wird Theorie gepaukt, besonders Verhaltensregeln auf dem Schießstand werden hier den Teilnehmern eingebläut, immerhin handelt es sich bei Pfeil und Bogen um eine gefährliche Schusswaffe. Unter den 20 Teilnehmern ist ein Linkshänder, er bekommt einen extra Bogen und genießt das Privileg, nicht wie die anderen in Gruppen nacheinander zu schießen sondern kann von der ersten bis zur letzten Runde komplett jeden Schuss selber machen. – Aber das wird er auch spätestens am nächsten Tag merken, wenn sich nämlich der Muskelkater einstellt. Die Zugkraft, die er bei seinem Bogen aufwenden muss, beträgt immerhin rd. 16 kg. Wichtig beim Bogenschießen ist die richtige Körperhaltung, der Stand im richtigen Winkel zum Ziel. Nur ein stets gleicher Ablauf gewährleistet auch ein kontinuierliches Schießen. Und am Ende sind tatsächlich einige Treffer „ins Gelbe“ dabei, – schwarz ist hier nur ein äußerer Ring, aber auch wer den trifft kann schon mächtig stolz sein. Die Kids die heute hier sind, sind eigentlich noch zu jung, Spaß gemacht hat es den kleinen „Robin Hoods“ aber trotzdem, – eigentlich nur eine Sache, die stört: die abgeschossenen Pfeile müssen natürlich wieder eingesammelt werden, – und wenn das für die Kinder 13 Meter entfernte Ziel verfehlt wird, dann fliegt so ein Geschoss auch schon mal 50 Meter weit… Bevor dann am Himmel die Blitze zucken, ist die Lolipopp-Ferienfreizeit „Bogenschießen“ auch schon wieder vorbei. Findet am kommenden Mittwoch noch einmal statt. Einen kostenlosen Schnupperkurs bieten die Bogenschützen des TVE übrigens jeden Samstag zwischen 15 und 17  Uhr an.

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.