Nachdem auch die zweite Nacht für die 13 Mann starke Truppe vorbei war und die Sonne sich eher weniger blicken lassen hat, ging es vom kleinen 1000 Seelen Ort Herbrum (bei Papenburg) weiter in Richtung Norden zur See. Und ab hier sollte es spannend werden…

Herbrum ist kein großer Ort. Lediglich gut 1000 Einwohner leben dort. Gemütlich, klein und entspannt. Wir machten uns auf den Weg zur See. An einem kleinen Steg, am Rande des kleinen Örtchens lag die Emswanne und nebst Beiboot. Wir machten uns startklar – Verpflegung für den Tag und das ein oder andere Gadget, wie zum Beispiel die Musikbox, wurden auf die Boote verteilt.

Anspannung machte sich breit. Es war nicht mehr lang hin und wir sollten das „Tor zur Nordsee“ passieren. Die letzte Schleuse auf der Tour war in Sicht. Und diese ist im kleinen Örtchen Herbrum. Die gigantischen Tore öffneten uns den Weg in die Schleuse. „Jetzt gleich kommt die Nordsee!“, hörte man von den Männern in der Emswanne. Der Wasserstand senkte sich um nur knapp 30 cm. Hinter der Schleuse war Flut. Das „Tor zur Nordsee“ öffnete die großen Tore. Und? Nichts! Die Enttäuschung war allen etwas ins Gesicht geschrieben. Anstatt der breiten Ems und großen Schiffen sah es doch noch so aus, wie ein paar Meter vor der Schleuse.

Aber willensstarken Männern kann auch diese „Niederlage“ nichts anhaben. Es wurde eifrig weiter gepaddelt. Nächstes Tagesziel: Leer (Ostfriesland). Weiter zwischen Weiden und Natur folgte bald das nächste kleine Highlight: weit vorher war sie zu sehen. Die große Halle. Sie ragte über die Bäume hinweg, die am Ufer standen. Große blaue Kräne waren zu sehen. Die Papenburger „Meyer Werft“. Die Augen wurden groß. Die gigantischen Gebäude, in der schon die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt gebaut wurden, waren hinter der kleinen Emswanne schon sehr mächtig. Mächtig war auch inzwischen die Strömung geworden. Durch das ablaufende Wasser nahmen wir an Geschwindigkeit auf. Perfekt für einen kleinen Test vor der Werft. Auf wie viel Kilometer pro Stunde kann die Wanne kommen, wenn alle rudern? In zwei versuchen wurde getestet. Nach dem zweiten Versuch standen 9,3 km/h auf dem Tacho.

Die alte Bahnbrücke, die wohl mal bei einer Überführung aus der Meyer Werft zu Bruch gegangen war, war die nächste Kulisse. Komplett verrostet. Ob jemals eine Reparatur geplant war, fragten wir uns?! Der Wind wurde frischerund die ersten Wellen machten sich unter uns breit. Die Ems wurde breiter und am Horizont war es zu sehen: unser heutiges Tagesziel. Die große Klappbrücke in Leer. Daneben war ein kleiner Anlieger, auf dem wir die Boote  hochziehen mussten. Warum? Die Ems hatte zu diesem Zeitpunkt Ebbe. Hätten wir die Boote im Wasser gelassen, dann hätten wir am nächsten Tag Schäden zu beklagen. Das wollte keiner.

Im Hotel angekommen, ging es prompt unter die Dusche, anschließend zum Essen. In gemütlicher Atmosphäre wurde geschlemmt und gelacht. Am späteren Abend saßen wir noch in der Hotelbar, blickten auf den Tag zurück. Ein nettes Pärchen betrat die noch leere Bar und gesellten sich zu uns. Man kam schnell ins Gespräch, der Neurobiologe und die Tochter, deren Eltern eine Werft führen, fanden die Emswannen-Aktion so schön, dass sie nicht nur das ein oder andere Kaltgetränk spendierten, sondern sich sogar zu unserem „Empfang“ in Emsdetten anmeldeten.

Die Nacht war vorbei und die Jungs der Emswanne waren voller Tatendrang. Die Nordsee war zum greifen nahe und es wurde nochmal alle Kraft gesammelt. Die Boote wurden fertig gemacht, es ging bei Hochwasser wieder auf die Ems, die schon in Leer eine enorme Breite hat. Knapp 20 Kilometer mussten noch überwunden werden, um das Ziel in Petkum zu erreichen. Auf diesem Teil der Ems fuhren schon deutlich größere Schiffe. Ebenfalls interessant waren zwei große Inseln, die mitten in der Ems waren. Die letztere der Beiden wurde auch prompt mal kurz „übersehen“. Die Emswanne fuhr sich fest. So kurz vor dem Ziel. Zum Glück konnten die Jungs sich mit gemeinsamer Teamstärke und Paddeln wieder befreien. Das hätte auch anders ausgehen können…

Nach einer letzten Kurve war wohl das größte und respektvollste Highlight zu sehen. Das Emssperrwerk! Und „respektvoll“ ist hier wohl das passende Wort. Das Sperrwerk, welches die Unterems vor Sturmfluten schützt, mussten wir mittig passieren. „Am Rand der großen Pfeiler sind große Strudel, die euch zum Verhängnis werden können!“, sagte man uns am Telefon. Bevor wir aber die letzten Meter paddeln konnten, mussten wir einen Frachter vorbeilassen. Es hieß also: Die Wanne gegen die Strömung drehen und gegen die Strömung anpaddeln, um den Frachter vorbei fahren zu lassen. Dem geschah so.
Am Emssperrwerk versammelten sich Freunde und Familie der Jungs, um sie auf den letzten Metern anzufeuern. Ein großartiges Bild. Die kleine Emswanne in dem großen Sperrwerk. Gänsehaut auf den Booten!

Gänsehaut gab es auch ein paar Meter weiter. Petkum, der Hafen an dem die Reise von Emsdetten zur Nordsee enden sollte, war erreicht. Freunde und Familie waren extra zur Nordsee gekommen um die Truppe mit Applaus zu empfangen. Nachdem die Emswanne aus dem Wasser gezogen wurde, kam noch ein Sprung ins kühle Nass. Nach getaner Arbeit durfte man sich abkühlen. Nur wurde nicht wirklich daran gedacht, das Ebbe war und der Boden voll mit Schlick war. Bei den Emotionen zu verzeihen.

Im Konvoi ging es wieder zum Hotel nach Leer. Dort haben wir noch eine Nacht ruhen dürfen und konnten erst mal entspannen. Freude und gleichzeitig Erschöpfung war allen ins Gesicht geschrieben. Trotz der Freude kam dann aber doch noch ein kleiner Schock. Das Pärchen, welches uns einen Abend zuvor auf einige Getränke eingeladen hat, hatte am Morgen das Hotel ohne zu bezahlen verlassen. Nun standen wir da…. mit einer Rechnung an Getränken, die 13 Männer verzehrt hatten.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Emsdetten.  Dort wurden wir, nachdem jeder kurz sich frisch machen konnte, bei Diekhues Hof empfangen. Initiator der ganzen Aktion, Mike Schmedding, hielt eine emotionale Rede und bedankte sich bei allen, die diesen „Traum“ wahr gemacht haben. „Wir sind Macher!“, sagte der sichtlich ergriffene Haupt-Initiator.

Mittlerweile sind schon über 6000 Euro für die Aktion „Lichtblicke“ zusammengekommen. Die Jungs haben sich mit ihrer Paddel-Tour ein großes Abenteuer erfüllt und viele Spendengelder gesammelt. Doch nach dem Projekt ist vor dem Projekt, hieß es „aus der Emswanne“. Dank dem Foto- und Video-Material möchte man nun einen Film über die Fahrt mit der Emswanne erstellen – so mögen all die Erinnerungen an das Event für immer bleiben.

 

Eike Brünen lebt, wohnt und lernt in der wunderschönen Stadt Emsdetten. Hier arbeitet er in einem großen Altenwohnheim und erlernt dort die Altenpflege. In der Freizeit ist er stellvertretender Vorsitzender der Jugendabteilung des DRK-Emsdetten, dem Jugendrotkreuz. Das Fotografieren ist seine Leidenschaft. Er ist gerne in der Natur und findet da immer wieder interessante Motive. Weiter beschäftigt sich Eike Brünen sehr ausgiebig mit Portraitfotografie.