3.393 km sind sie gefahren – die Campingfreunde des Städtepartnerschaftsvereins Emsdetten auf der Fahrt von Emsdetten nach Chojnice, Ostpolen und zurück. Manch einer auch etwas mehr, weil er trotz guter Planung, Navi und Koordinaten den Weg nicht sofort gefunden hat und die eine oder andere Stadt von oben auf dem Berg statt von unten auf dem Parkplatz angefahren ist. Egal. Heil und gesund sind sie angekommen. Niemand wurde verletzt oder gar krank. Alle Fahrräder und persönlichen Gegenstände sind auch noch da.

Am vergangenen Samstag, den 8. Juli, trafen alle Teilnehmer der Campingreise wieder in Deutschland, in Zittau, ein. Ein letzter gemeinsamer Tag bei strahlendem Sonnenschein, leckerem Abschiedsessen und einem letzten Stuhlkreis ließ alle noch einmal die gemeinsamen Wochen Revue passieren.

Abenteuerlich ist sie gewesen, die Reise. Nach einem Auftakt in Swinemünde am Ostseestrand und den gemeinsamen Tagen mit den 88 Emsdettenern in Chojnice ging es weiter in die Hauptstadt Polens, nach Warschau. Gleich zu Beginn der Fahrt wurden am Ortsausgang 3 Wohnmobile angehalten und 6 Insassen mussten „blasen“. Auch ein kaputter Reifen wurde unterwegs gewechselt. Zwei Nächte auf dem schönen Campingplatz, am nächsten Tag eine Stadtführung und schon war Warschau Geschichte. Geschichte – aber trauriger Art und das in jeder Hinsicht – fanden die Camper in Lublin, der nächsten Station, vor. Der Vormittag war dem Besuch des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek gewidmet. Nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt. Und alle konnten sich ein Bild von der hoffentlich nie wiederkehrenden Geschichte des eigenen Landes machen.

Während die meisten am frühen Nachmittag vor einem Gewitter in Lubliner Restaurants flüchten konnten, erlebten andere auf dem Campingplatz das plötzliche Unwetter hautnah mit. Über die Folgen, zwei demolierte Autos (eines davon Totalschaden), ein so schwer beschädigtes Wohnmobil, deren Besitzer nach Hause gefahren sind, und verschiedene andere Schäden wurde schon berichtet. Ein Nachmittag in Schockstarre. Entscheidungen mussten getroffen werden. So bekamen Hildegard und Frank neue Eltern, genauer gesagt, Zieheltern, indem sich Ulla und Klaus bereit erklärten, deren Caravan fortan bis zum Ende der Reise zu ziehen, kein leichtes Unterfangen bei den zum Teil engen, holprigen und kleinen Straßen. Ihnen gehört der Dank der ganzen Gruppe, war doch nun klar, dass die Fahrt fortgesetzt werden konnte. Viele andere Teilnehmer übernahmen Fahrräder und Kisten von Hildegard und Frank, die dann bei jeder Übernachtung alles wieder zusammen suchen mussten.

Weiter ging es.

Eine Übernachtung in Sandomierz – der königlichen mittelalterlichen Stadt direkt an der Weichsel – versöhnte die Teilnehmer nach den schlechten Erfahrungen in Lublin wieder. Und noch ein Tag mit nur einer Übernachtung folgte in Zamość, einer ebenfalls mittelalterlichen Stadt. Wohl jeder Pole kennt beide Städte von z.B. Schulausflügen, und auch wir konnten uns dem Flair der Städte nicht entziehen.

Letzte Station in Ostpolen, dem alten habsburgischen Gallizien, war Przemyśl, kurz vor der Grenze der Ukraine. Dank Margot (Vorstand Städtepartnerschaftsverein) und ihren Polnischkenntnissen konnte eine Wiese (einen Campingplatz gab es nicht in der Stadt) vor dem Hotel Accademia, ein polnisches Busunternehmen der PKS avisiert und eine Stadtführung in Lemberg überhaupt realisiert werden. In jeder Hinsicht war die Fahrt nach Lemberg ein echtes Highlight und für alle ein erster Besuch in der Ukraine. Halb fünf aufstehen und Abfahrt um 6 Uhr vor dem Hotel war angesagt. Wie angekündigt, waren die Grenzkontrollen abenteuerlich. Erst einmal Stehen – wie in alten Zeiten ohne EU – dann durch die polnischen Grenzer Gesichtskontrolle anhand der Pässe, danach Einsammeln der Pässe, Kontrolle. Wieder Warten. Dann Wachwechsel um Punkt sieben Uhr. Viel abenteuerlicher ging es auf der anderen Seite, Richtung Polen zu. Wahre Menschenschlangen zu Fuß waren auf dem Weg zum Einkauf nach Polen, war doch die Visumfreiheit wenige Wochen alt. Wieder Gesichtskontrolle anhand der Pässe, diesmal durch die ukrainischen Grenzer, Einsammeln der Pässe. Nach rund zwei Stunden war das Prozedere erledigt und die Gruppe traf um 10:15 Uhr in Lehmberg am Bahnhof ein. Oxana, die sehr gut deutsch sprechende Stadtführerin stieg in den Bus. Während der Fahrt erklärte sie die Geschichte und zeigte alle wichtigen Sehenswürdigkeiten Lembergs. In den anschließenden zwei Stunden zu Fuß mit Oxana konnten sich die Teilnehmer von der Schönheit der Stadt überzeugen. Am Nachmittag erkundeten alle allein die Stadt. Deutlich wurde, dass Lemberg auch immer ein Beispiel für das Zusammenleben unterschiedlichster Nationen gewesen ist – neben Ukrainern haben insbesondere Polen, Deutsche und Armenier ihre eindrucksvollen Spuren hinterlassen.

Nach dem aufregenden Aufenthalt in Przemyśl ging es für zwei Tage nach Krakau.

Gleich am Nachmittag sorgte Bernd für eine Fahrradtour in die nähere Umgebung. Nur mit gegenseitiger Hilfe ging es steil bergauf. Ein Ausblick vom 326 m hohen Kosciuszko Hügel mit dem alten Fort aus dem 19. Jahrhundert war der Lohn.

Wieder mit dem Fahrrad ging es am nächsten Tag nach Krakau. Der Stadtrundgang geleitet von Bernd gab allen einen guten Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Je nach Interesse konnten alle danach die alte Stadt auf eigene Faust erkunden. Manch einer, so Hildegard und Günter , ließ nichts aus und erkundete die Stadt, den Wawel, das Ghetto, das jüdische Viertel und Schindlers Fabrik.

Vorletzte Station war die alte schlesische Hauptstadt Breslau. Auch hier gab es direkt nach der Ankunft wieder eine kleine Fahrradtour, diesmal im Flachland zur Jahrhunderthalle, die in unmittelbarer Nähe des Campingplatzes liegt. Höhepunkt am Abend der Ankunft war eine gemeinsame Grillparty. Ein langer Tisch wurde auf dem Weg aufgebaut. Jeder brachte etwas mit. Klaus (davon gab es gleich drei!) war mit einem einzigen Grill der Grillmeister. Erstaunlich, was alles auf den Tisch kam. Während des langen gemütlichen Abends bedankten sich alle Teilnehmer bei der Reiseleitung mit einem großzügigen Geschenk. Der Stadtrundgang am nächsten Tag in Breslau hatte noch viele Eindrücke und Überraschungen zu bieten. Einige hatten es sich auch zur Aufgabe gemacht, die vielen Zwerge, dreihundert an der Zahl, zu fotografieren.

Nach letzten Ausflugstipps am nächsten Tag, der letzten Station auf der Reise des Vereins, trafen alle in Zittau ein. Am frühen Sonntag Morgen, den 9. Juli, hieß es Abschied nehmen. Die gemeinsame Zeit war nun zu Ende.

Simone hat ein vierblättriges Kleeblatt gefunden. Somit ist sichergestellt, dass alle wohlbehalten nach Hause kommen, was auch bei den meisten der Fall war. Die Anderen blieben noch einen Tag länger oder besuchten noch Dresden oder Leipzig, den Harz oder fuhren in die Eifel, diesmal mit etwas mehr Zeit und ohne Reiseleitung.

(Quelle: Foto/Text – Städtepartnerschaftsverein Emsdetten e.V.)

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