Es ist positiv, wenn bei einer Podiumsdiskussion über die Gestaltung der Zukunft zwei von vier Repräsentanten über eben diese Zukunft aus den eigenen Reihen kommen. Aber trotzdem die Stadt will mehr, möglichst viele ansprechen zur Gestaltung der Agenda „Älterwerden in Emsdetten“. Aber der Reihe nach…

Geladen zur Auftaktveranstaltung „Ein Date mit unserer Zukunft – Agenda Älterwerden in Emsdetten“ hatte natürlich Bürgermeister Georg Moenikes, aber auch der Vorsitzende des „Bordsteinkanten“-Ausschuss Hans-Jürgen Jesse, also eigentlich der Vorsitzende des Emsdettener Seniorenbeirats. Beide sind sich einig, dass die Zeiten der Rolatorenausflüge vorbei sind, um zu testen, wie altersgerecht die Stadt Emsdetten ist. Und – erfreulich – sie sind sich auch einig, dass Aktivitäten in Emsdetten für Senioren, und damit auch für die anderen Bürger, am Besten von der Bürgerschaft selber kommen und nicht aus der Verwaltung. Kompetenzen der Älteren will man nutzen, ihre Erfahrungen sollen und dürfen sie weitergeben.

Aber bevor es um die Weitergabe von Kompetenz und Erfahrung ging, stand ein anderer, eher humorvoller Umgang mit dem Altern eines, nun ja, auch schon Älteren auf der Bühne. Sky du Mont konnte gewonnen werden die Frage „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz?“ aus seiner Sicht zu beantworten. Der Schauspieler und „auch“ Autor las aus seinem Buch über das Älterwerden und Altsein, etwas für das die Zuhörer in großen Städten einen Unkostenbeitrag leisten müssen. In Emsdetten nicht, hier war die Mischung aus Anekdoten, Einblicke ins Privatleben eines Prominenten und ernst zu nehmenden Lebensweisheiten kostenfrei, aber sicherlich nicht umsonst. Der Beifall und das Lachen der Anwesenden zeigte, dass Sky du Mont den richtigen Ton trifft, auf ironisierende Art Probleme, aber eben genauso Chancen von Senioren zu skizzieren. Ihn ein zu laden zu einer Lesung, als Einstimmung auf ein eigentlich ernstes Thema, war sicherlich ein gelungener Coup. Nach diesem Auftakt, eigentlich der Kür, war auch die folgende Podiumsdiskussion, eigentlich die Pflicht, sehr angenehm und bekam die gebührende Aufmerksamkeit.

Es war das Verdienst von Andrea Blome, die als Moderatorin eingeladen war, die ernsthaften Themen der Podiumsdiskussion souverän zu präsentieren und den Teilnehmern den nötigen Raum zu lassen, ohne den notwendigen roten Faden aus den Augen zu verlieren. Ihr gebührt Dank.

Vier Initiativen stellten sich auf dem Podium vor. Zwei- wie erwähnt – davon aus Emsdetten. Aber die Gäste zuerst: Josef Martin stellte die von ihm imitierte Seniorengenossenschaft aus Riedlingen, Baden Württemberg vor. Die Genossenschaft verbindet bürgerschaftliches, oft ehrenamtliches Engagement mit professioneller Altenhilfe in den Bereichen Mobilität, Wohnen und Betreuung. Hilfe beim Geben und Nehmen auf genossenschaftlicher Basis für Ältere.

Aus ganz anderem Blickwinkel sieht Cornelia Sperling das Älterwerden. Nicht nur als Zeit für einen Bedarf, sondern als Lebensabschnitt, in dem man noch aktiv sein will und kann; und das nicht unentgeltlich. „Mäuse für Ältere“, Weiterarbeiten im Alter. Das ist das Thema ihrer Initiative aus Essen.

Die Emsdettener kennen Sinningen, das Dorf nordöstlich, jenseits der Ems. Aber wem ist bewusst, dass in dem Ortsteil weder Bäcker noch Gaststätte vorhanden sind und seit kurzem auch kein Bankautomat mehr. „Ortsnahe Alltagshilfe“ ist da sicher eine Notwendigkeit, nicht nur für Ältere, sondern für Jung und Alt. Diesen fast 10 Jahre alten Verein stellte Birgitt Weber vor, die Vorsitzende.

Jung und Alt oder, besser, „Young meets old in Detten“, ist das Thema einer Arbeitsgemeinschaft der Geschwister Scholl Realschule in Kooperation mit der Caritas. Vertreten wurde die AG von den Schülerinnen Sophie-Marie Terbille und Isabell Lunge. Der Grundgedanke der Initiative klingt so einfach – „Niemand muss sich alleine fühlen“ – aber er ist sicherlich schwer. Um so bewundernswerter ist es, das die jungen Schülerinnen sicher sind wir weiter machen, auch wenn die SchulAG beendet ist am Ende des Schuljahres.

Vier Praxisbeispiele für die Zukunftsgestaltung von und mit Senioren. Aber eben nicht nur von Senioren, es geht nur mit Jungen zusammen, das zeigen die Beispiel. Und – und das zeigen alle Beispiele – nur wenn man selber initiativ wird nimmt die Zukunft Gestalt an.

Deshalb lädt die Stadt als nächsten Schritt zur Zukunftswerkstatt ein. 100 Plätze sind zu vergeben, um Ideen zur Gestaltung der Zukunft auch für Senioren vorzustellen; einen ganzen Tag lang:

Zukunftswerkstatt der Agenda „Älterwerden in Emsdetten“
20.Mai 2017
10 – 16 Uhr
Stroetmanns Fabrik

Anmeldung: anmeldung@emsdetten.de
Stichwort: „Zukunftswerkstatt“

Infos: emsdetten.de/zukunft

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Ich, Jochen Schülpke, bin Kölner. Der einzige Rheinländer unter lauter Westfalen, Emsdettener. Aber genau deshalb schreib ich hier: ich will die kleine Stadt, in die es mich verschlagen hat, kennenlernen. Bin neugierig, schau mich um, frag viel und dann schreib ich es auf.

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