TSF_2270-2(ms) Es ist 17.55 Uhr als Bürgermeister Georg Moenikes den Ratssaal betritt. Von den überfüllten Rängen wird er mit Beifall begrüßt. 39 von 46 Ratsmitgliedern sind trotz Urlaubs- und sitzungsfreier Zeit der Einladung zu dieser Sondersitzung gefolgt. Thema: Marienhospital. Schlussendliches Ergebnis: Der Rat der Stadt Emsdetten beschließt einstimmig: „Der Rat der Stadt Emsdetten fordert die Landesregierung NRW dazu auf, unverzüglich einen Runden Tisch einzuberufen, der sich mit der Sicherstellung der stationären Gesundheitsversorgung im Zuständigkeitsbereich der in der Insolvenz befindlichen Marienhospital Münsterland GmbH befasst. Teilnehmer dieses Runden Tisches unter Federführung der Bezirksregierung Münster sollen das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW sein, Vertreter der drei betroffenen Kommunen Emsdetten, Greven und Steinfurt, der Kreis Steinfurt sowie auch der Kostenträger (Krankenkassen). Der Rat der Stadt Emsdetten fordert den Runden Tisch auf, die Frage der Sicherstellung der stationären Gesundheitsversorgung so rechtzeitig zu klären, dass nicht im laufenden Insolvenzverfahren Fakten geschaffen werden, die den Krankenhausstandort Emsdetten endgültig zur Auflösung stellen.“

Letztlich wurde in dieser Sitzung wieder nur die Ohnmacht deutlich, die Emsdetten und deren Bürger in dieser Frage haben. Die mit der Geschäftsführung und Insolvenzverwaltung betrauten Personen haben in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie a) den Anforderungen in keinster Weise gewachsen sind, b)  bewusst mit Unwahrheiten und Widersprüchen hantieren. Da wird ein neues Bieterverfahren in Gang gebracht, welches nur die beiden Häuser in Greven und Borghorst umfasst. Emsdetten ausschließt. Die Mitarbeiter des hiesigen Marienhospitals sind zum Großteil auf die beiden benachbarten Gemeinden verteilt worden. Das wiederum veranlasst die Entscheidungsträger zu der Aussage, Emsdetten könne wegen Personalmangel nicht wieder geöffnet werden. Anhand von Beispielen (Anmerkung: der BM hatte dazu aufgerufen, „Schwierigkeiten“ in der Notfallversorgung darzulegen) konnte belegt werden, dass derzeit die regionale Versorgung nicht sicher gestellt ist. Zwar haben die Verantwortlichen dem widersprochen, es wären ausreichend Kapazitäten vorhanden, – durch die Verteilung der bislang in Emsdetten stationär behandelten Patienten dürfte aber in den Häusern in Greven und Borghorst tatsächlich mindestens eine volle Auslastung vorliegen, denn die haben ja nicht plötzlich eine Wunderheilung erfahren.

Im Konjunktiv wurde berichtet, dass z. B. Borghorst schon allein von der Ausstattung her nicht in der Lage sei, bestimmte chirurgische Eingriffe vorzunehmen. Dass OP-Besteck per Bote nach Emsdetten gefahren wird um in den hier vorhandenen Apparaturen sterilisiert zu werden und dann in Borghorst eingesetzt werden kann. Dr. Dr. Wefers, selber operierender Arzt, brachte es deutlich auf den Punkt: „Wer sich in Borghorst operieren lässt, begibt sich in Gefahr.“

Zwar habe man jetzt mit der PBC externe Fachkräfte mit dem erneuten Bieterverfahren verpflichtet, und damit ja praktisch das eigene Versagen im Vorfeld zugegeben, ob dieses allerdings Aussicht auf Erfolg haben wird, ist wegen der gemachten Vorgaben zumindest in Frage gestellt.

Die Kirche ist nach wie vor in der Gesellschafter- wie auch der Gläubigerversammlung vertreten, behauptet aber weiter eisern, auf das Verfahren keinen Einfluss zu haben.

Emsdetten ist am Erhalt aller drei Häuser und somit der Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung in der gesamten Region interessiert.

Das Sicherheitsgefühl der Emsdettener Bürger wie auch der umliegender Gemeinden ist nicht mehr gegeben.

Mit welcher Motivation auch immer die Verantwortlichen so handeln, wie sie handeln, – die Vernunft hat hier den Status des in-Frage-gestellt-seins längst verlassen.

Bleibt zu hoffen, dass der o. g.  Beschluss bei Bezirksregierung und Land NRW auf offene Ohren stößt und hier endlich von höherer Stelle eingegriffen wird.

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.