DSC_3706-2(ms) In einer Sondersitzung des Rates der Stadt Emsdetten am gestrigen Abend wird eine Erklärung mit Fünf Punkten abgegeben (nachfolgend  wiedergegeben). Diese Erklärung wird heute an die Bürgermeister der beteiligten Orte Greven und Steinfurt-Borghorst sowie an die Vertreter der Kirche, des Kirchenvorstandes, dem Bistum Münster und der CKT versandt:

  1. Der Rat nimmt den Bericht zum Stand des Insolvenzverfahrens der Marienhospital Münsterland GmbH und zum Angebot der AMEOS-Gruppe mit dem Erhalt aller drei Krankenhausstandorte und aller 1.700 Arbeitsplätze zur Kenntnis.
  2. Der Rat der Stadt Emsdetten hat die Verpflichtung, sich für die Krankenhausversorgung, für den Wirtschaftsstandort Emsdetten und damit für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen einzutreten. Der Rat und der Bürgermeister haben nichts unterlassen, in dem Insolvenzverfahren der Marienhospital Münsterland GmbH ein nachhaltiges Ergebnis für alle drei Krankenhäuser und aller ihrer Mitarbeiter zu erzielen.
  3. Der Rat der Stadt Emsdetten kann den Mitarbeitern der Häuser keinen Ratschlag erteilen. Das muss jeder Mitarbeiter für seine Lebensplanung selbst entscheiden.
  4. Der Rat der Stadt Emsdetten würde es begrüßen, wenn unsere Nachbarstädte Greven und Steinfurt-Borghorst als gelebte interkommunale Zusammenarbeit sich für den Erhalt aller drei Krankenhäuser und den Erhalt der Grundversorgung jeder einzelnen Stadt sowie den Erhalt von 1.700 Arbeitsplätzen einsetzen.
  5. Der Rat der Stadt Emsdetten appelliert erneut an die kath. Kirche, die drei Krankenhausstandorte und die Arbeitsplätze zu erhalten. Der Rat der Stadt richtet einen Appell an die Mitglieder der kath. Kirchengemeinde, Druck auf das Bistum auszuüben, den Emsdettener Krankenhausstandort insofern freizugeben, dass auch andere Träger Angebote für unseren Standort abgeben können.

Die Kirche kam am gestrigen Abend bei der Sondersitzung des Emsdettener Stadtrates nicht gut weg. Ihr wurde Missmanagement in den vergangenen Jahre vorgeworfen, durch welches die CKT erst in die heutige Situation gekommen ist. Hat man einst die drei Hospitäler in Emsdetten, Greven und Borghorst zusammen geschlossen, um so wirtschaftlich eine stärkere Position am Markt zu haben, hat sich jetzt das genaue Gegenteil herausgestellt und die künftigen Planungen mit der Übernahme des Maria-Josef-Hospitals in Greven durch die Franziskus-Stiftung, Münster sowie des Marienhospitals in Borghorst durch die Matthias-Stiftung, Rheine sind auch für Laien, insbesondere aber für Wirtschaftsfachleute nicht wirklich nachvollziehbar. Einige Fraktionssprecher hielten der Kirche vor, das eigene Versagen vertuschen zu wollen, indem man die an einer Übernahme interessierte AMEOS-Gruppe als nur auf finanziellen Gewinn ausgerichtete „Heuschrecke“ darstelle. Aber auch Bundes- und Landespolitik, die einen massiven Bettenabbau fordern, wurden hart in die Kritik genommen.

Die Schweizer AMEOS-Gruppe sieht nur eine Chance in der Übernahme aller drei Häuser, diese Option indes ist für die kirchlichen Träger völlig ausgeschlossen, hier liegt sogar ein Papier vor, aus dem ganz klar die Anweisung hervorgeht, das Emsdettener Marienhospital zu schließen. Das Übernahmeangebot der AMEOS-Gruppe liegt bei 25 Mio. €. Dazu kommen weitere Investitionen von über 40 Mio. €, – Summen, die die beiden katholischen Stiftungen aus Münster und Rheine alleine niemals werden stemmen können und das Bistum hat ausdrücklich erklärt, keinen Cent in die Krankenhäuser zu stecken. Die Übernahme des Hauses in Borghorst, welches von allen drei Standorten die marodeste Bausubstanz haben dürfte und schon allein deshalb einen hohen Investitionsbedarf nach sich zieht, wird unterstützt, während Emsdetten wegen der zentralen Lage im Kreis fallen gelassen wird. Aber gerade diese zentrale Lage und die dadurch schnelle Erreichbarkeit von allen Punkten sollte doch ein absolutes pro-Argument sein.

Die AMEOS-Gruppe gibt eine Arbeitsplatzgarantie für fünf Jahre – und das für die drei betreffenden Standorte. Ein Wechsel innerhalb der drei Häuser ist wegen des sich möglicherweise verschiebenden Leistungsangebotes nicht auszuschließen, würde aber nur einen Teil betreffen. In einer schriftlich vorliegenden Erklärung wird ausdrücklich betont, dass für die Mitarbeiter der Arbeitsplatz an diesen drei Standorten gewährleistet ist. Seitens der kirchlichen Stiftungen ist die Aussage getroffen, dass sämtliche Grevener und Borghorster jeweils in ihren Häusern übernommen werden (allerdings ohne jegliche Mindestzeitangabe). Da es sich um eine Trägergesellschaft handelt, zu der auch die Emsdettener Mitarbeiter gehören, und somit nach einem zu erstellenden Sozialplan die Auswahl getroffen werden müsste, dürfte diese Aussage arbeitsrechtlich auf äußerst wackeligen Füßen stehen. Die katholische Kirche nimmt in Kauf, ein Krankenhaus zu schließen, und damit fast 1.000 Menschen in die Arbeitslosigkeit zu schicken, – für die Ratsmitglieder, wie auch den vollbesetzten Zuschauerraum eine gar nicht christlich-soziale Entscheidung. Absichtserklärungen, aus der Kirche aus zu treten, werden laut. Die Schließung des Krankenhauses und die damit verbundenen Folgen seien „die größte Katastrophe in Emsdetten seit dem 2. Weltkrieg„. Die AMEOS-Gruppe stellt sicher, dass die katholisch geprägten Häuser ihre Kirchlichkeit und die in ihnen ausgeübte Seelsorge behalten.

Aus medizinischer , wie auch wirtschaftlicher Sicht ist das Angebot der AMEOS-Gruppe alternativlos, – einziger Haken: Die von den Mitarbeitern zu tragenden Lohneinbußen. Bemerkenswert an dieser Stelle, dass die Mitarbeiter seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens mehr Lohn und Gehalt durch die Bundesagentur für Arbeit beziehen, weil diese sich an geltendes Recht zu halten hat, , als vorher durch die CKT, die deutlich unter Tarif bezahlt hat.

Zu Beginn der Sondersitzung stellte Bürgermeister Georg Moenikes in einem 40-minütigem Statement noch mal den Verlauf seit Bekanntwerden der wirtschaftlichen Schwierigkeiten dar. Die Stadt Emsdetten habe zu jedem Zeitpunkt ihre Hilfe angeboten aber niemals die notwendigen Informationen erhalten. Für Emsdetten sei immer der Erhalt aller drei Häuser als das anzustrebende Ziel gesetzt worden, – übrigens anfangs auch Aussage der Kirchenvertreter. Moenikes fordert ganz klar eine Grundversorgung an allen drei Standorten und darüber hinaus kann durch Spezialisierung eine echte Arbeitsteilung entstehen. Als geradezu skandalös bezeichnen Bürgermeister und einige Fraktionsvertreter in ihren Stellungnahmen, wie die Kirche glaubt, vorbei an Recht und Gesetz  einen Sozialplan aushebeln zu können. Leider sei zu alledem weder vom Bistum noch von den hiesigen Kirchenvertretern aktuell in keiner Weise Stellung bezogen worden. In Borghorst hat in der vergangenen Woche ein Solidaritätsgottesdienst stattgefunden.

Die obige Erklärung wurde fraktionsübergreifend einstimmig, ohne jede Enthaltung oder Gegenstimme, getroffen , – ein solches Signal hat den Emsdettener Ratssaal schon lange nicht mehr verlassen.

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.