„…das andere Rechts…“ – wird eine missverstandene Richtungsweisung für den Busfahrer noch schnell korrigiert. Bei den gleich mehrere Kilometer langen Straßenzügen, deren „Abzweigungen“ lediglich aus Zuwegungen auf die scheinbar unendlich großen Äcker bestehen, ist es schon von Vorteil, wenn man das richtige Rechts, Links oder Geradeaus trifft.

Aber zurück auf Anfang: Am Mittwochmorgen finden sich 88 Reiseteilnehmer zu den Chojnice-Tagen am Emsdettener Bahnhof ein, zwei Busse stehen bereit, die Koffer werden verstaut, der Busfahrer wird noch schnell gebeten, ein Nackenkissen aufzublasen, gar nicht so einfach, – mit hochrotem Kopf will er sich nach Rückkehr vergewissern, was denn noch so alles in seinem Arbeitsvertrag steht. Zuvor hatten bereits rund 30 Camper mit ihren Wohnmobilen die Fahrt ins benachbarte Polen angetreten.

Ca. 12 Stunden nach Nackenkissen lenkt zuvor genannter Busfahrer sein „Schiff“ in eine Haltebucht nahe dem B&B-Hotel in Breslau, hier werden die Emsdettener für zwei Nächte einquartiert. Der zweite Bus hatte unterwegs in einem Stau gestanden, kommt etwa eine Stunde später an. Eine zentralere Lage dürfte kaum möglich sein, es sind nur zehn Fußminuten bis in den tatsächlichen Kern von Wroclaw, so die polnische Bezeichnung der einst deutschen Stadt an der Oder. Und in diesem Kern ist in dieser Woche ganz große Party. In vielen Städten Polens wird um Johanni das Fest des „Johannes der Täufer“ gefeiert, Schutzpatron Polens.

640.000 Einwohner hat Breslau, davon 100.000 Studenten und 300 Zwerge (siehe Fotos), so erfahren die Touristen aus dem Münsterland am nächsten Morgen während einer Stadtrundfahrt. Die Jahrhunderthalle wird angesteuert, erster Halt, ein kleiner Gang durch den großzügig angelegten Park. Die Jahrhunderthalle war seinerzeit die größte Stahlkonstruktion überhaupt und die erste hängende Stahlkonstruktion. Nächste Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten, ist die Dom-Insel. Hier finden sich sechs Kirchen auf engstem Raum, von denen zwei gar übereinander gebaut sind. Als das erste Gotteshaus errichtet wurde, stellte man fest, dass hier ja noch ein Gelübde besteht, nachdem eine Kirche erbaut, aber einem anderen Heiligen geweiht werden soll.

Während in Breslau an beiden Tagen die 30°C-Marke überschritten wurde, war es mit durchschnittlich rund 20°C in Chojnice nicht nur kühler, in regelmäßigen Abständen aufkommende Regenschauer machten den Aufenthalt auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus nicht wirklich zu einem angenehmen Zeitvertreib. An den Abenden war der Platz trotzdem bis in die Seitenstraßen gefüllt mit Menschen. Der veranstaltende Verkehrsverein hatte namhafte Größen aus der polnischen Musikszene verpflichten können.

Christian Erfling überbrachte als stellvertretender Bürgermeister die Grußworte aus der Emsstadt. Brigitte Lohmann hat mit Unterstützung vieler fleißiger Hände am Stand des Städtepartnerschaftsvereins Waffeln gebacken, diese wurden von den polnischen Marktbesuchern gerne verköstigt. Die gesamten Einnahmen aus diesem Verkauf werden der freiwilligen Feuerwehr in Chojnice zur Verfügung gestellt. Im Rathaus wurde anhand alter Ansichtskarten in einer Präsentation die Geschichte unserer polnischen Partnerstadt erzählt, die Ziegelsteine, mit denen das Rathaus erbaut wurde, stammen übrigens aus Westfalen. Ein gemeinsames Forellenessen am Charzykowy-See sowie ein Tagesausflug nach Danzig rundeten die rundum gelungene Fahrt des Städtepartnerschaftsvereins ab. Der Gegenbesuch einer polnischen Delegation wird zum Emsdettener September erwartet. Am 04. November dann wird es traditionell für die Teilnehmer der jetzigen Fahrt einen Abend der Erinnerungen an diese Fahrt geben.

 

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

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