TSF_5827(ms) Samstagmorgen, 8 Uhr, ein Zeitpunkt, der sonst für viele Jugendliche nur in Märchen und Mythen existiert. Es ist noch stockdunkel. Auf dem Kirchplatz Hl.-Geist an der Nordwalder Straße in Hollingen rollen die ersten Fahrzeuge ein. Im Gemeindezentrum richten Petra Middendorf und Martin Reiners die Anlaufstelle für alle organisatorischen Belange der diesjährigen Tannenbaumaktion ein. Während man in einigen umliegenden Städten bereits am Vortag wegen der unsicheren Wetterverhältnisse abgesagt und auf das nächste Wochenende verschoben hat, sind Messdiener und Landjugend in Emsdetten fest entschlossen, die ausgedienten Weihnachtsbäume einzusammeln, – natürlich verbunden mit Spendengeldern für die Rumänienhilfe von Pfr. Lutum sowie die Flüchtlingshilfe in Emsdetten, die damit u. a. die Finanzierung von Sprachkursen plant.

8:35 Uhr, Sonnenaufgang, mittlerweile haben sich 160 Jugendliche und junge Erwachsene eingefunden, werden auf 18 Fahrzeuge verteilt die dann 20 Bezirke in Emsdetten „fegen“, – soweit dies nicht schon der Wind gemacht hat, denn die Aktion ist überschattet von mehr oder weniger heftigen Sturmböen.

Gegen Mittag dann finden sich Alle wieder unterm Glockenturm ein, wahlweise Ofen- oder Reitersuppe sorgt für Stärkung. „Nicht mehr Käsesuppe?“, so der meistgehörte spontane Satz.

Viele sind schon seit mehreren Jahren fester Bestandteil der Aktion, es sind aber auch einige Neulinge dabei. Durchschnittlich mit 8 – 10 Helfern ist jedes Fahrzeuggespann besetzt, sie schwärmen in die Straßenzüge aus, ein Teil bringt die Nadelhölzer zu einem Sammelpunkt, an dem sie dann auf die Anhänger geworfen werden. Die Anderen laufen von Tür zu Tür und bitten um eine Spende. „Wagen 16 ist schon fertig, wird jetzt in anderen Bezirken aushelfen.“ „In Greven wurde die Aktion abgesagt, die Bäume trotzdem an die Straße gestellt, da ist jetzt das absolute Chaos ausgebrochen“, – die Nachrichten sind schnell unters Volk gebracht.

Das Orga-Team ist bereits dabei, die ersten Geldeingänge zu zählen, als sich die jetzt ausgeruhten Truppen wieder auf den Weg machen. Zu allem Überfluss beginnt es nun zu regnen, so dass am späten Nachmittag nicht nur die Anstrengung des Tages in den Knochen steckt sondern auch die Jacken und Hosen kladdernass sind. Die abendliche Helferparty in Austum dürfte aber für diese Mühen entschuldigen und viele wissen schon jetzt: „Wir sind im nächsten Jahr wieder dabei!“, dann zum ganz privaten 10. Jubiläum, oder die Neulinge von heute erstmals als „Wiederholungstäter“.

Das Spendenergebnis wird im Laufe der kommenden Woche an dieser Stelle bekannt gegeben.

(Text: MS, Fotos: TS)

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.