Emsdetten hat wieder ein Krankenhaus!!! – zumindest an den Wochenenden bis Weihnachten. Standort: Ahlintel; Betreiber: die dort ansässige Schützengesellschaft; Besonderheiten: ein wenig Nervenklinik und ein wenig Orthopädie in einem Zimmer; angewandte Therapieform: Lachen ist die beste Medizin; Heilungsquote: 100 % Lacherfolg garantiert. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um das Ergebnis der vielfältigen Bemühungen, das in Emsdetten abgängig gewordene Marienhospital zu ersetzen, es ist die Rede von der gestrigen Premiere der Ahlinteler Laienspieler, die alljährlich im Advent zu ihren Aufführungen ins Landgasthaus Budde-Heimann aufrufen. „’n biätken düörneene un mehr“ von Karl-Heinz Hahn / Heino Buerhoop. Claudia Lehmkuhl und Elke Krampe feierten in dieser Formation ihr Regiedebut, übersprangen die Gesellenprüfung und legten gleich ihr Meisterstück ab. So etwas kann aber nur gelingen, wenn sie auf einen Pool fähiger Schauspieler zurückgreifen können. Und für die Besetzung der Rollen war jeder Griff goldrichtig. „Oscar“ wäre zu hoch gegriffen, das „goldene Weberschiffchen“ würde dem nicht gerecht, – aber irgendwo dazwischen, im oberen Drittel sind sie zu finden.

Herausragend, weil vielseitig und fast dauernd präsent, Michael Abeler in der Rolle des Albert Einstein, des Dieter Bohlen, der Biene Willi, des Walter Scheel, des Heinz Rühmann, Udo Lindenberg und vieler weiterer Persönlichkeiten, die wir hier noch nicht verraten wollen. Also eigentlich ja nur in der Rolle des Alfred Heinze, dieser verfällt immer wieder in einen Tiefschlaf und bei jedem Erwachen ändert sich seine Identität. Die Rahmengeschichte, dass nämlich im Krankenhaus geklaut wird, ist im ersten Akt fast störend, wird am Rande erwähnt, ob der stetigen Charakterwechsel des Hauptdarstellers aber kaum wahrgenommen. Der Wechsel von den markanten Sprüchen des Pop-Titanen über das herrschaftliche Auftreten eines Bundespräsidenten (im Schlafanzug) bis hin zur nasalen Stimme einer kleinen Biene, die unweigerlich jeden einzelnen im Publikum an die eigene Kindheit denken lässt, ist keineswegs überzogen sondern immer gekonnt auf den Punkt gebracht, hier dürfte stundenlange Videoanalyse mit anschließendem Training vorm Spiegel die Grundlage geschaffen haben.

Aber es handelt sich bei weitem nicht um eine One-Man-Show, das Umfeld muss ihm erst die Möglichkeiten geben. Heinz Laumann mimt mit all seiner Routine aus über 40 Jahren Bühnenerfahrung den Bettnachbarn Ignaz Bessenbinner, der am Ende mit kriminalistischem Scharfsinn dem Fall eine Wendung gibt. Dieter Laumann brilliert als Kurt Klopper, der zwar beide Arme eingegipst hat, aber nicht wirklich unbeholfen erscheint. Dr. Mechthild Wusler wird souverän dargestellt von Anne Plagge. Steffie Huge verzweifelt in Ihrer Rolle als Verlobte des bewußtseinsgespaltenen Alfred Heinze, weil sie natürlich gerne „ihren Alfred“ wieder zurück haben möchte. Andreas Bertels, als Kommissar Kojambel hätte alleine wohl nie die Krankenhausdiebstähle aufklären können, Sonja Brock legt Wert darauf, dass sie OBERschwester Hiltrud mit eher kleinem Gehalt (und da schließt sich der Kreis zur Realität wieder) ist und bei Schwester Vera, gespielt von  Nicole Kreuzeberg, wäre wohl jeder gerne einmal Patient.

Was bei diesem Stück völlig fehlt (aber auch nicht wirklich vermisst wird), ist die in diesem Genre eigentlich übliche Portion Herzschmerz, Liebe und am-Ende-finden-sich-doch-die-Richtigen, – dafür aber ist bei jedem Akteur auf der Bühne (und auch den vielen Händen hinter den Kulissen) das Herzblut und die Leidenschaft spürbar.

Weitere, absolut lohnenswerte Aufführungen sind am (Sa./So. jeweils 16 Uhr) 26.11./02.12./03.12./10.12./17.12. und am Samstag, 16.12. um 19.30 Uhr im Landgasthaus Budde-Heimann gegenüber von St. Konrad in Ahlintel. Da die Premiere bereits fast ausverkauft war, dürfte es sinnvoll sein, sich im Vorverkauf über den Verkehrsverein Karten für die noch ausstehenden Vorstellungen zu sichern.

Print Friendly, PDF & Email
TEILEN

Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.