…ein Ausdruck, den wohl nur Tänzer verstehen, Tänzer, wie sie jetzt beim WorkShop „TanzLand-Festival“ teilgenommen haben. Profis, Amateure, jung, alt – aber sämtlich mit beeindruckender Leidenschaft bei der Sache. …ein Ausdruck, der vermittelt, was die sieben Herren in dem knapp 70-köpfigen Ensemble dieses WorkShops bei der Hebefigur spüren, gerade als „Alles Detten“ den Bürgersaal betritt: Körperspannung, durchgedrückte Knie – und gleichzeitig das Vertrauen auf die Eleven, die den Sockel für die Hebefigur bilden, die Herren der Schöpfung nur an Beinen und Hüften halten und emporstemmen wie die Jesusfigur am Zuckerhut.

Was hier seit Montag an sechs Tagen jeweils sechs Stunden unter Anleitung von Royston Maldoom einstudiert wird ist ein Gefühl oder besser 70 Gefühle. Sicher gibt es eine in irgendeiner Form ausgedachte und vermittelte Choreografie, die Interpretation liegt aber im Ermessen jedes einzelnen Tänzers. „I don’t know how it looks like, but I can feel it“. Maldoom ist ein international erfahrener und angesehener Tanzpädagoge, für ihn spielt es keine Rolle, ob er in den USA, in China, Kroatien oder eben in Emsdetten mit Profis oder Amateuren tanzt. Der gebürtige, jetzt in Berlin lebende Brite hat Projekte mit Gefängnisinsassen und Flüchtlingen erfolgreich absolviert, wurde oft kritisiert, hält aber an seiner Einstellung und seinen Methoden fest. Er erkennt in jedem das notwendige Potential. Egal auf welchem Level die Tänzer sind, sie werden zu einer Gruppe geformt und das ohne jemanden zu überfordern und andere möglicherweise zu langweilen. Bemerkenswert die Dokumentation die gestern Abend im CINETECH gezeigt wurde: 250 Schüler aus sozialen Randschichten Berlins, 27 verschiedene Sprachen, – innerhalb von nur sechs Wochen hat er mit dieser Gruppe eine anspruchsvolle Choreographie erarbeitet, zusammen mit den Berliner Philharmonikern wurde daraus eine Performance die ihresgleichen sucht. „Anfangs war ich der einzige im Raum, der daran glaubte.“ Während der sechs Wochen gab es tatsächlich Tage, an denen das Projekt zu scheitern drohte. Was im Anfang niemand für möglich hielt wurde sehr schnell zu realem Bewusstsein. Maldoom gelingt es nicht nur, den Spirit zu vermitteln, trotz seiner mittlerweile 74 Jahre tanzt er auch noch jede Figur, jede Schrittfolge vor. Wenn er (obwohl er ein sehr gutes Deutsch spricht) in seiner englischen Muttersprache die Anweisungen gibt, hängen ihm alle an den Lippen.

In der Mittagspause verraten Tobias, Marei, Susanne, Maike, Sonja und Gabriela dann, dass die Teilnehmer aus ganz Deutschland, aber auch aus Wien und Schweden kommen. Münster, Senden…. ist noch mit täglicher Autofahrt zu erreichen, Düsseldorf, Leipzig… haben sich im Hotel einquartiert, sind bei Freunden untergekommen oder es haben sich ganz spontan hier Kontakte gebildet. „98 % der Teilnehmer kannten sich vorher nicht“, so Ulrike Wachsmund als federführende Veranstalterin, die in diesen Tagen eine gewaltige Organisation zu stemmen hat. „Aber das ist das Besondere, es gibt keine Berührungsängste, Tanzen verbindet.“ so das Echo aus der Mittagsrunde. Schnell einen Joghurt, etwas Schokolade und dann geht es in die letzten zwei Stunden für den heutigen Tag.

Am Sonntag werden die Teilnehmer dieses „TanzLand-Festivals“ Auftakt zur Tanz-Show „Crossing the Line“ in der EMS-Halle sein. Diese verspricht, ein einmaliges Erlebnis zu werden, ist allerdings schon kurz vor ausverkauft, – also die letzten Karten heute in Stroetmanns Fabrik sichern, sich auf die Abendkasse verlassen könnte schon riskant werden.

 

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht.

Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.

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