IMG_9045(ms) Von vorne dürfte Sie fast jeder kennen, wie aber sieht es hinter den Kulissen der Münsterländischen Freilichtbühne in Reckenfeld aus? „Alles Detten“ durfte Mäuschen spielen und begleitete die vier Emsdettener Laiendarsteller aus dem insgesamt rund 40 Personen umfassenden Ensemble des diesjährigen Erwachsenenstückes „Fame“.

Das Thermometer kratzt erstmals die 30°-Grenze an, in den Wellen des Emsdettener Freibades tummeln sich einige Schauspieler der Freilichtbühne, würden gerne noch länger bleiben, beginnt doch die dritte Vorstellung innerhalb der diesjährigen Spielzeit des Musicals erst um 20:30 Uhr. – Das allerdings ist die Zeit für den Zuschauer, – die Akteure auf der Bühne treffen sich mindestens drei Stunden vor dem ersten Gongschlag.  So nach und nach finden sich auch Lea Hankemann, Jana Berlin, Alyssa Spieker und Wiebke Daeumer vorm Spielerheim ein. Gerade noch das kühle Nass genossen, schaudern sie  jetzt schon allein bei dem Gedanken in dieser Hitze gleich „ackern“ zu müssen. Aus diesem Emsdettener Quartett hat Wiebke Daeumer eine Hauptrolle, die drei anderen sind Tänzerinnen – und das sind bei Fame  keinesfalls Nebenrollen, Tanz und Show bestimmen das Stück. Erschwerend hinzu kommt, dass eine Choreographie Jacke und Schal vorsieht. Die Stimmung auf dem Gelände ist noch locker, man tauscht sich aus, vereinzelt sieht man, wie eine Pizza „verschwindet“, andere laben sich am Wassereis. Im Hintergrund  ist zu hören, wie die Ports (Mikrofone und Sender) getestet und eingestellt werden, die Musiker stimmen ihre Instrumente und üben nochmal das ein oder andere Lied, – schließlich soll am Abend auch die Musik wieder live dargeboten werden. Auf zwei großen Garderobenständerrn sind die Kleider und Kostüme der Darsteller, einige haben sich ihre Outfits vorher selber schon über den Stuhl gelegt, –  natürlich in der Reihenfolge wie sie der Ablauf der Rolle vorsieht. Ein Fehlgriff zwischen zwei Auftritten später könnte fatale Folgen haben. „Wo ist der Schlüssel für oben?“ Tabea braucht dringend Zugang zur Schneiderei, ein Bügeleisen wird gesucht. Im Schminksaal sind alle Plätze besetzt, neben den Spiegeln hängt sicherheitshalber eine Anleitung, wie beim Schminken vorzugehen ist. Aber auch hier, wie in allen anderen Bereichen, sind die ausführenden Ehrenamtlichen so erfahren und routiniert, dass es dieser Anweisung nicht bedarf. So nach und nach wird Wiebke zu Carmen Diaz, Lea verwandelt sich in Zoey Dickens, Jana schlüpft in die Rolle der Carlie Steffen und Alyssa nimmt die Identität von Mylla Hastings an. Bevor sie sich die Kostüme anziehen und damit endgültig ihr reales Dasein verlassen, ist auf der Bühne das Eintanzen angesagt, noch sind keine Zuschauer da, so dass ungestört ein letztes Mal die Muskeln aufgewärmt und schwierige Schrittfolgen wiederholt werden. Eigentlich sitzt alles, es gibt den jungen Eleven dennoch ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit, denn so ganz freisprechen von Lampenfieber kann sich hier niemand. Nach dem Eintanzen kommt das Einsingen, dafür verschwinden dann alle wieder im großen Saal des Spielerheims. Die sich doch zunächst noch sehr fremdlich anhörenden Urlaute werden sich hoffentlich noch in so etwas ähnliches wie eine derzeit gelebte Sprache verwandeln. Und tatsächlich: Es entsteht Gesang, mit Text, deutlich verständlich. Am Ende übergehend in einen fünfstimmigen Kanon. Hört sich gut an, weckt die Vorfreude auf das jetzt immer näher rückende Bühnenspiel. Das Gemurmel und Getuschel aus dem Zuschauerraum lässt vermuten, dass sich die Ränge langsam aber sicher  füllen. In den letzten Minuten vor dem Auftritt ist jede/r mit sich selbst beschäftigt. Noch ein Schluck Wasser? Oder doch lieber nochmal auf’s Klo? Die Entscheidung wird einem abgenommen, die einzelnen Darstellergruppen verschwinden auf ihre Anfangspositionen. Der Innenhof, in dem eben noch emsiges Treiben herrschte, ist plötzlich menschenleer. Der Express hat Fahrt aufgenommen, der Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Der dritte Gongschlag ertönt, die Musik setzt ein, das Spiel beginnt…..

Aufführungstermine sowohl für „Fame“ als auch das Kinderstück „Peter Pan“ auf www.reckenfeld-freilichtbuehne.de

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.