Eigentlich müssten hier die über 60 Namen aller aktiven Mitglieder des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Emsdetten stehen, denn was da am Samstag in der EMS-Halle über die Bühne ging, war eine geschlossene Mannschaftsleistung. Das Hauptkonzert 2017 stand auf dem Programm. Programm? Programm gab es schon, – und was für eins, halt nur nicht in lesbarer Form für den Besucher des Konzerts, – der Hinweis darauf war dann aber im Faltblatt gegeben, das beim Betreten der Halle verteilt wurde. Die Halle war sehr gut besucht. Nicht ganz ausverkauft, was möglicherweise dem „Winterzauber“ und Sternschnuppenmarkt in der Innenstadt und so mancher Weihnachtsfeier geschuldet war. Viel wahrscheinlicher aber dürfte der etwa eine Stunde vor Konzertbeginn einsetzende starke Schneefall noch einige Kurzentschlossene davon überzeugt haben, dann doch am heimischen Ofen zu verweilen. Denen jedoch sei gesagt: „Ihr habt definitiv etwas verpasst!“

Gleich zu Beginn der „Königsmarsch“, beeindruckend der voluminöse Klangkörper. Der ganze Abend (also das Konzert, – die After-Show-Party war da etwas „lockerer“) war für die Musiker eine Herausforderung auf höchster Ebene. Dass das eigentlich alles Amateure sind, war nur schwer zu glauben. Gleich mehrere Kameras, zum Teil ferngesteuert, vermittelten dem Publikum auf zwei Videoleinwänden immer wieder Einblicke bis auf die Notenblätter, zeigten die hochkonzentrierten Gesichter, die Anspannung aber auch die Leidenschaft mit der das eigene „Gerät bedient“ wurde. Beeindruckend, wie z. B. bei „Chess“ das Kleinod Triangel zu einem Faktor wird, der im gesamten Gefüge nicht fehlen darf. Und gerade bei diesem Stück aus der Feder der ehemaligen schwedischen Pop-Gruppe ABBA wird deutlich, wie sich Schlagwerk, Holz- und Blechbläser immer wieder den Ball zu spielen. Beeindruckend auch, wie leicht die Finger der Flötisten über das Instrument gleiten. Viele weitere wahrgenommene Impressionen würden hier den Rahmen sprengen.

Sicher sind auch Schützenfest und Karneval bestimmend im Jahresablauf des Musikzuges, – der „Böhmische Traum“ (gespielt von der Jugendgruppe mit Unterstützung einiger ehemaliger Jugendlicher) durfte nicht fehlen. Der italienische „Florentiner-Marsch“ ist für Blasorchester bestimmt. Die bereits erwähnte Interpretation von „Chess“ oder auch das Medley aus James-Bond-Filmen, „Nabucco“ und „Brass in concert“ oder auch das traditionell weihnachtliche Finale zeigten dann aber die Bandbreite der Möglichkeiten und Fähigkeiten. Das Duo BaLi, bestehend aus Bastian Scholtyssek und Lisa Klähn, eigentlich bekannt vom Karneval, ließ „Rote Rosen regnen“, beim extra für diesen Abend arrangierten Schlagermedley wippten dann im Publikum nicht nur die Knie. Und wo wir dann doch bei Namen sind, gehört an erster Stelle der musikalische Leiter Hendrik Vollmer genannt, Heike und Sascha Austrup als Moderatoren des Abends. Hubert Uphoff, der nach 41-jähriger Vorstandstätigkeit jetzt „nur“ noch Musiker ist. Yvonne Stolze, die seit April diesen Jahres die Position der 1. Vorsitzenden einnimmt. Guido Heitmeier, der die Jugendgruppe zu einem ganz imposanten Stelldichein brachte. – Aus dieser Truppe werden sicher schon bald einige zu den „Großen“ gehören.

Völlig außer Frage, jeder einzelne Musiker hat hier geglänzt. Seit September wird zwei Mal wöchentlich intensiv und mit Hochdruck geprobt. Der Ablauf, der Wechsel durch Tempi aber auch durch mögliche Emotionen, mit der die Unterschiedlichkeit der Stücke gespielt wurde war mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen. Für den Zuhörer war das vielleicht schon ein wenig „too much“. Der sportliche Ehrgeiz der Akteure in allen Ehren, die vermutlich gesetzten Ziele wurden erfüllt, keine Frage, – manch ein Zuhörer aber, der an diesem Abend erstmals mit dieser musikalischen Lawine konfrontiert wurde, der in knapp drei Stunden ein Wechselbad erlebte, wie es unterschiedlicher fast nicht hätte sein können, war überfordert. Vielleicht (und, wie der „Florentiner“ zeigte, können Wünsche ja sogar per Postkarte geäußert werden) ist für das Konzert 2018 ja stilistisch oder/und thematisch mal wieder ein „roter Faden“ möglich. Trotz dieser Schlussbemerkung, – das Konzert 2017: Chapeau !!!

 

Print Friendly, PDF & Email
TEILEN
Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.