Schuetzenfestsafari_neu2

Die Frauen und Freundinnen der Schützenbrüder, Omas mit ihren Enkeln aber auch Radfahrer, die nur zufällig auf ihrer Pättkestour durchs Münsterland hier entlang radeln, Urlauber aus dem Ruhrgebiet, stehen entlang des fahnengeschmückten Areals rund um die Vogelstange. Rund 50 Kinder haben sich schon die vordersten Sitzplätze ergattert, in den Jahren zuvor waren es mehr. Wir erinnern uns der Grüße aus dem Zeltlager, die der Pfarrer gestern von der Kanzel aus ausrichten ließ. Einige ganz besonders kleine fangen in ihren Sportwagen und Buggies an zu weinen als die laute Musik wie ein Ungeheuer direkt auf sie zu hält, da hilft auch das Wiegen in den Armen der jungen Mutter nicht viel. Andere stehen mit einer kleinen Blechtrommel am Straßenrand und klinken sich in das Spiel mit ein, – früh übt sich, wer später selber einmal ein echter Klöppeljung werden will, – wenn er groß ist. Der noch amtierende Jungmännerkönig genießt seinen letzten Aufmarsch mit Kette, wer wird wohl sein Nachfolger werden???

Kurz bevor sie auf den Festplatz einbiegen sieht Rainer „seinen“ P601 wieder. „Kiek ma, der hat ja Berliner Kennzeechen wa, – hab ick eben jar nich druff jeachtet, – muss ick doch gleich ma kieken, wer da insteigt…“  „Von Berlin bis hierhenn? Dann is de aower Huckepack föhert.“ Obwohl der ehemalige Trabi-Pilot jetzt eigentlich in seiner Ehre verletzt sein sollte, gelingt es ihm nicht, ein verschmitztes Lächeln zu unterdrücken. Tatsächlich werden in ihm jetzt wieder so einige Erinnerungen wach. Das erste Rendesvous mit Marianne, ihr selbst genähtes Kleid an diesem Frühlingsabend, die Ölspritzer aus dem Auspuff und die dann glorreiche Idee, dass man aus diesem Kleid doch auch hervorragend noch einen Mini-Rock machen könnte. Das „glorreich“ beschränkt sich dabei auf Rainers Betrachtungsweise, Marianne wollte von da an erstmal nichts mehr von diesem Unmenschen wissen.

„Kannste dir vorstell’n, – icke, Marianne, meene Schwiejereltern, Camping-Ausrüstung, Verpflegung und wat zum anzieh’n für zwee Wochen, – allet in so eene Keksdose! Mit Schwiejereltern uff Hochzeitsreise, – naja – aber schön war’t doch, irjendwie. Die war’n halt inne Partei, da hatte man dann schon Vorzüje. Jetze sind se wieder drinne, die lern’n det eenfach nich. Aber die ha’m usjesorgt und darauf kommt et ja letzendlich irjendwie auch druff an. Nich die Jesinnung is wichtig, ha’m se immer jesacht, sonder datte dabei bis. Schleim Schleim sag ick da bloß. Ick bin doch ooch noch Mensch, hab doch een Jewissen. Und det der Kommunismus jescheitert is, det is ja nu ma erwiesenermaßen festjestellt. Ey, – wo seid denn ihr alle hin? Könnt mir doch hier nich alleene stehn lassen….“

Der noch amtierende König mach den ersten Schuss mit dem großkalibrigen Jagdgewehr. Hier herrschen strenge Vorschriften, das Gewehr muss eingespannt sein, im Schießstand selber darf sich nur der Schießwart und der jeweilige Schütze aufhalten, die Vogelstange – die in der Bauweise ebenfalls umfangreicher Regeln unterliegt – und der Schießstand müssen weiträumig abgesperrt sein. Der Kugelfang muss im richtigen Winkel zur Lafette sicherstellen, dass sich keine Munition „verirren“ kann. Der Schießwart, der selbstverständlich im Besitz einer Waffenbesitzrechtskarte sein muss, trägt letztendlich die Verantwortung für das Schiessen, er entscheidet, ob der willige Aspirant wirklich fähig ist, sicher mit dem Gewehr um zu gehen oder beispielsweise durch zu viel Alkoholkonsum untauglich und somit zu einem Risiko geworden ist. Der Schriftführer verließt die Statuten: „…König ist derjenige, bei dem der Vogel zu Boden fällt…“ „Well häff sich denn Schwachsinn denn utdacht?“ Vor Jahren, als noch Jutesäcke als Kugelfang dienten, war der Vogel im strittigen Fall zwar von der Stange geschossen aber im Jutesack hängen geblieben, – schon war die Diskussion im Gange: König oder nicht? Seitdem hat man diese Klausel mit in die Statuten aufgenommen, – da aber längst keine Jutesäcke mehr als Kugelfang dienen, wäre dieser Passus inzwischen auch hinfällig.

 

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Manfred Schwegmann, im “richtigen Leben” Buchhalter eines international tätigen Fenster- und Fassadenbauers hier am Ort. Schwegmann war nebenher zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die hiesige lokale Tageszeitung aktiv, hat zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützengesellschaften von Emsdetten deren Geschichte zusammen gefasst und in einem Buch veröffentlicht. Neben weiteren kleinen war sein (zumindest in den Ausmaßen) größtes Projekt wohl die Glückwunschkarte zum Stadtjubiläum. 1.620 Portraits Emsdettener Bürger auf einer 163,8 qm großen Karte zierten im Jubiläumsjahr 2013 für sieben Wochen die Rathausfassade. Schwegmann führt zudem die Chronik der Hollinger Schützengesellschaft in Wort und Bild.